„Lesung mit Kristina Hauff in Eutin“

Auf Einladung der Buchhandlung Hoffmann hat Kristina Hauff letzten Freitag in Eutin aus ihrem Buch „In blaukalter Tiefe“ gelesen. Das war ein sehr humorvoller, interessanter Abend und ich habe das Buch tatsächlich nochmal anders erlebt als beim eigenen Lesen.

Kristina Hauff lebt mit ihrer Familie in Berlin und hat erst mit 40 Jahren angefangen zu schreiben. Das fing dann zunächst mit Krimis unter ihrem richtigen Namen Susanne Kliem an. Davor hat sie in verschiedenen Berufen gearbeitet, u.a. als Journalistin und beim Theater. In diesen Berufen ist sie nicht richtig glücklich geworden, da man immer extrem fremd bestimmt ist, was denken die Anderen? Durch das Schreiben konnte sie mit ihrer Innenwelt Kontakt aufnehmen und schaltet beim Schreiben den Kopf aus, eine „lebensrettende Maßnahme“.

Die Autorin liebt Kammerspiele aller Art, wo wenige Figuren da sind, die nicht ausweichen können. Dabei sind „Lebenslügen“ ihr absolutes Lieblingsthema. So hatte sie schon ihren Eltern gewünscht, das irgendwas passiert, was eine Veränderung auslöst und die gutbürgerliche Fassade bröckeln lässt, hinter der die Beteiligten unglücklich waren. Das lässt sie jetzt ihren Romanfiguren angedeihen, jemand kommt von außen und bringt alles zur Eskalation.

Kristina Hauff hat 30 Jahre Segelerfahrung, was für das Buch wichtig war. Segeln ist die schönste Fortbewegung, so die Autorin, man muss halt nur die richtigen Leute mitnehmen.

Bei einem neuen Roman dauert die erste Fassung 4 Monate und es vergeht 1 Jahr bis das Buch dann gedruckt wird. Dabei gibt es für Kristina Hauff unterschiedliche Inspirationen. Das können Presseartikel sein, eigene Empfindungen oder ein Anstoß von außen. Bei dem aktuellen Buch war der Grundgedanke, fünf Menschen segeln los, nur vier kommen zurück.

Da sie im Roman mehr Freiheiten hat als im Krimi, bleibt die Autorin auch künftig bei Romanen, sie hat ihre Form gefunden. Und alle Bücher haben mit Wasser zu tun…

Ich habe diesen unterhaltsamen Abend mit einer tollen Autorin sehr genossen. Es kommt nicht so oft vor, dass ich ein Buch kurz vor der Lesung schon gelesen habe. Und irgendwie habe ich einige humorvolle Stellen beim Lesen nicht als solche empfunden, beim Zuhören ist mir das dann aufgefallen. Auf jeden Fall ein Segeltörn in stürmischer See…

Und hier geht es zur Inhaltsangabe und zur Rezi:

„In blaukalter Tiefe“ Inhalt und Rezi

„In blaukalter Tiefe“

Roman von Kristina Hauff, erschienen bei hanserblau in der Carl Hanser Verlag GmbH & Co.KG

Inhalt:

Caroline und ihr Mann Andreas erfüllen sich mit ihrem Segeltörn in die wildromantischen schwedischen Schären einen lang gehegten Traum. Auch Andreas’ junger Anwaltskollege Daniel und seine Freundin Tanja sind an Bord sowie der undurchschaubare, faszinierende Skipper Eric. Der Törn beginnt mit frischem sonnigen Wetter und erlesenen Abendessen, doch bald wird die See rauer und verborgene Konflikte lassen die Luft unter Deck immer drückender erscheinen. Bis eines Nachts ein gefährlicher Sturm losbricht und sich die Bootsgesellschaft in tödliche Gefahr bringt.

Eigene Meinung:

Dieser Roman hat es wirklich in sich. Denn die räumliche Enge auf dem Schiff sorgt dafür, dass jede Menge Konflikte zwischen den Gästen aufbrechen, was insbesondere dadurch heftig wird, dass Andreas auch noch der Chef von Daniel ist und ein wirklich sehr spezieller. Und so gibt es dann auch gewisse Abhängigkeiten, die gnadenlos ausgenutzt werden. Als Leser kann man das gut verfolgen, denn die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der vier Gäste erzählt. Dazu überzeugt Kristina Hauff wieder mit einem sehr angenehmen Schreibstil. Und auch wenn das Buch kein Krimi ist, wird es im letzten Drittel sogar noch spannend, denn mit dem Sturm auf der See eskaliert auch die Lage der Schiffsbesatzung und man fragt sich, wer wie durch den Sturm kommt. Für Liebhaber von Romanen, die gerne einen tiefen Blick auf menschliche Verhaltensweisen mögen und dabei keinen Thriller wollen, eine klare Leseempfehlung.