„Alexandra“

alexandra

Thriller von Natasha Bell, aus dem Englischen von Pauline Kurbasik, erschienen im Diana Verlag

Inhalt:

Zwölf Jahre ist es her, dass die junge Künstlerin Alexandra und Marc geheiratet haben. Seitdem ist sie eine liebende Ehefrau und Mutter zweier Töchter. Bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Die Polizei findet nur ihre blutige Kleidung am Flussufer und plötzlich wird aus der Vermisstensuche eine Mordermittlung. Doch Alexandra lebt. Weit weg von ihren Lieben wird sie gegen ihren Willen festgehalten. Verzweifelt muss sie auf Videos mit ansehen, wie sich ihre Familie quält. Marc ist außer sich und begibt sich auf eigene Faust auf die Suche nach seiner Frau. Und die Geheimnisse, die er ans Licht bringt, machen eines deutlich: Niemand kennt Alexandra wirklich, nicht einmal er.

Eigene Meinung:

Das Buch ist ein ganz besonderer Thriller. Ungewöhnlich ist schon die Erzählperspektive, die Geschichte wird nämlich aus der Perspektive von Alexandra erzählt. Das ist schon sehr ungewöhnlich, wenn das Opfer beobachtet, wie sich seine Familie mit den Geschehnissen quält. Dazu spielt die Geschichte in zwei Zeitebenen und es gibt auch Briefe, die von einer Freundin stammen. Trotzdem ist das Buch gut zu lesen und auch spannend. Man bekommt eine Ahnung, in welche Richtung das geht, aber das Ende war in so einer komplexen Form sehr überraschend und hat mir „Denkstoff“ gegeben. Dazu gibt es einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Kunstszene, was auch nicht uninteressant ist. Wer also mal einen ungewöhnlichen Thriller sucht, der dürfte an diesem Buch seine Freude haben.

4 Sterne-p1

„Crime Day“ in Hamburg

 

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Eine ganz besondere Premiere gab es letzten Samstag im St. Pauli Theater in Hamburg. Veranstaltet von der Zeitschrift stern Crime und der Verlagsgruppe Random House Bertelsmann durften sich die Gäste über einen interessanten und spannenden Tag rund um Verbrechen und ihre Geschichten freuen.

Dabei ging es um wahre Kriminalfälle und fiktive Fälle in Kriminalromanen. Als Experten waren mit Andreas Gruber, Charlotte Link, Elisabeth Herrmann, Karsten Dusse, Melanie Raabe, Ellen Sandberg und Marc Elsberg viele tolle Krimi-Autoren zu Gast, sowie stern Crime Autoren und „True Crime-Experten“, wie zwei echte Ermittler von der Polizei, eine Kriminalpsychologin und ein Rechtsmediziner.

Die angebotenen Formate waren dann auch sehr vielfältig. Auf der Hauptbühne gab es große Talkrunden zu kriminalistischen Fragestellungen. Außerdem konnte man noch Workshops buchen, die von den Krimi-Autoren oder den „echten“ Fachleuten durchgeführt wurden.  Auch gibt es noch Crime Touren von Eat the World, wo man auf einem kulinarischen Stadtrundgang Lokale und Geschichten erleben konnte. Weiter bestand noch die Möglichkeit, viele der anwesenden Autoren bei einem Meet & Greet näher kennen zu lernen. Ein tolles Programm, es war wirklich schwer, sich für einzelne Themen zu entscheiden, weil viele Angebote toll waren.

Wir waren dann am Ende mit unserer Auswahl zufrieden und hatten einen interessanten Tag:

Nach der Begrüßung starteten wir mit der Talkrunde „Zwischen Psychogramm und blutigem Grusel – was macht gute Spannung aus?“ mit Charlotte Link, Andreas Gruber und Silke Müller von stern Crime.

Podium 1

Charlotte Link hat sich schon als Kind Gruselgeschichten ausgedacht. Heute ist ihr der Charakter ihrer Figuren sehr wichtig, es ist ihr tiefes Interesse, in die Tiefe des Menschen zu steigen. Dabei steht die Figur immer am Anfang, nicht das Verbrechen. Die Entwicklung im Inneren des Menschen fasziniert sie dann, erst in der Ausnahmesituation wird es interessant. Und so arbeitet sie an einem großen Schreibtisch mit vielen Zetteln und weiß zu Beginn ungefähr, wohin das Buch gehen soll, aber das wird sich noch ändern, wenn die Figuren sich entwickeln.

Charlotte Link

Während vorher das Personal in ihren Büchern immer wechselte hat sie jetzt seit 3 Büchern ein Ermittlerduo. Ermittlerin Kate hat die Autorin ins Herz geschlossen. Im Herbst erscheint das nächste Buch. Das Ermittlerduo ist dabei ein Gerüst für das nächste Buch, aber auch eine Herausforderung beim Schreiben, denn man muss in der Logik der Figuren bleiben.

Einen anderen Ansatz hat Andreas Gruber, der schon als 4 Jähriger mit Comics angefangen hat, da er nicht schreiben konnte, kamen dabei Zeichen in die Sprechblasen. Mit 8 Jahren hat er dann seinen ersten Roman geschrieben, der genau 3 Seiten umfasste.

Er ist ein plotgetriebener Krimiautor, mit einem komplexen, rasanten Plot, weniger  tiefe Charaktere, weniger Recherche. Ursprünglich kommt er aus dem Bereich Controlling und so entwickelt er seine Plots mit einer Excel-Datei. Tiefe Charaktere traut er sich eher nicht zu. Beim Schreiben verlässt er sich auf seine Intuition, allerdings überarbeitet er einen Roman auch 10 Mal, bevor er ihn abgibt. Schließlich muss ihm selbst sein Krimi gefallen und überraschen. Wenn es intelligente, überraschende Wendungen gibt, dann wird es für ihn spannend, so Andreas Gruber.

In seinen Krimis gibt es meist zwei Handlungsstränge, die mit den Charakteren verknüpft werden und in Österreich und Deutschland spielen. Dabei geht es dann um das „warum“, warum jemand zum Täter wird. Auf die Frage, warum ausgerechnet das deutsche BKA in seinen Büchern ermittelt, erklärte Gruber, dass er es gerne mag, wenn der Mörder eine Blutspur durchs Land zieht und da bietet sich das BKA an. Außerdem kann der Ermittler ins Ausland reisen und hat mehr Ressourcen als ein Privatdetektiv in Hintertupfing.

Andreas Gruber

Bei den Figuren findet es Andreas Gruber es interessant, originelle Figuren zu schaffen, keine Klischees. Ermittlers Sneijder war eher ein Versehen, der Niederländer ist, weil es kein Österreicher oder Deutscher sein sollte, aber gut Deutsch sprechen sollte. Dagegen ist Ermittlerin Sabine Nemez für ihn wie Watson, die eigentliche Hauptfigur. Es ihrer Sicht werden die Romane erzählt und sie ist taff und kann Sneijder Paroli bieten.

Dann folgte die nächste Talkrunde „Wie blutig darf es sein? Die Ästhetik von Gewalt im Kriminalroman“ mit den Autoren Elisabeth Herrmann und Marc Elsberg, sowie True-Crime-Experte Felix Bringmann von stern crime.

Podium 2

Bei Elisabeth Herrmann müssen ihr die Tatorte etwas geben, sie macht das mit Gefühl. Erste Sätze im Roman müssen dann schon einen Sog haben, aber sie vertraut auch auf die Geduld des Lesers. Dazu muss man Mechanismen wie Cliffhanger als Autor kennen. Interessant wird es, so Elisabeth Herrmann, wenn man zwischen Schwarz und Weiß nicht mehr unterscheiden kann, der Täter kann z.B. auch ein liebender Familienvater sein. Ihre Geschichten leben dann auch nicht von malträtierten Körpern, solche Bilder guckt sie sich auch nicht an.

Für Marc Elsberg muss es nicht blutig sein, solchen Szenen sollte man nicht zu drastisch beschreiben. Spannung entsteht nicht aus Gewalt, wichtig ist die Psyche. Dabei muss der erste Satz in einem Buch ihn abholen, denn er ist kein geduldiger Leser. Der erste Satz muss auch nicht der mit Gewalt sein. Eine Grenze wird aus seiner Sicht überschritten, wenn Gewalt attraktiv erscheint.

Für uns ging es dann mit einer Eat The World-Tour an die frische Luft zu einer kulinarischen Stadtführung durch St. Pauli.

Auf die Talkrunden „True Crime oder Fiktion“, „Täter, Ermittler, Opfer – wer ist der wahre Held im Kriminalroman“, „wenn sich ein Buch verwandelt- vom Kriminalroman zum Film, Podcast oder Hörspiel“ mussten wir in der Zeit verzichten.

Wieder im Theater angekommen, konnten wir Melanie Raabe bei einem Meet & Greet  treffen, was großen Spaß gemacht hat. Jetzt freue ich mich noch mehr auf das neue Buch „Die Wälder“.

Melanie Raabe

Von der Runde „Wenn aus Fakten Fiction wird – welche Rolle spielt gesellschaftliche Realität im Kriminalroman?“ haben wir noch das Ende mitbekommen.

Podium 3

Spannend hier, dass neben den Autoren Ellen Sandberg und Marc Elsberg mit Klaus Püschel auch ein Rechtsmediziner auf dem Podium saß. Er hatte nicht nur seinen eigenen Schädel als 3D-Modell mitgebracht, sondern wünschte sich alle technischen Verfahren, die es für die Lebenden gibt, auch für die Toten.

Püschel

Dann folgte ein „Baatle of Books“ auf der Hauptbühne, die Autoren Karsten Dusse und Andreas Gruber standen sich gegenüber. Die beiden Autoren mussten Geschichten zu Bildern erfinden, außerdem wurde Tabu gespielt und es galt dann noch, rauszufinden, zu welchem Autoren welcher Rezi-Ausschnitt gehört. Andreas Gruber ging dabei als Sieger von der Bühne.

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In dem Buch von Karsten Dusse killt ein Anwalt nach den Regeln der Achtsamkeit. Dusse selbst ist ein großer Freund der Achtsamkeit. Der Autor hat Jura studiert und war vorher u.a. Chefautor für die Fernsehreihe „Ladykracher“, danach war er als Fernsehanwalt bei Barbara Salesch im Fernsehen tätig. Daraus entstand der Wunsch, ein längeres Buch zu schreiben. Die Tätigkeit für das Fernsehen war Anfang und Endpunkt dafür, dass er Jura studiert hat.

Für mich dann noch die Gelegenheit zum Meet & Greet mit Ellen Sandberg.

Ellen Sandberg

Ellen Sandberg ist Autorin für spannende Familienromane, die unter ihrem richtigen Namen Inge Löhnig Krimis schreibt. Da ist dann auch beim Signieren Aufmerksamkeit gefragt, damit der richtige Name ins Buch kommt.

Dann folgte die letzte Talkrunde „Kommt ein Mörder zur Yogastunde – Trends im Kriminalroman“ mit den Autoren Melanie Raabe, Marc Elsberg und Karsten Dusse.

Podium 4

Die drei Autoren haben sehr unterschiedliche Bücher geschrieben: Bei Melanie Raabe steht die Psycho im Vordergrund, Marc Elsberg hat Wissenschaftsthriller geschrieben und Karsten Dusse einen Achtsamkeitskrimi.

2 aktuelle Trends gibt es bei den Krimis derzeit: Regional und möglichst auch lustig oder exotisch international.  Mörder sind immer noch gute Unterhaltung.

Für Melanie Raabe ist niemand immer nur gut oder böse. Es macht ihr Spaß, Charaktere zu schaffen, die durch Handlungen überzeugen. Dabei geht sie nicht immer von einem Plot aus und am Ende gibt es eine Auflösung. Ihr ist die Atmosphäre in den Büchern wichtig, starke Bilder.  Sie mag es, wenn man als Leser das Unheil schon spürt, wenn es unterschwellig immer gefährlicher wird, die Bilder dafür sucht sie sich im Alltag. Sie geht mit offenen Augen durch die Welt und interessiert sich für psychologische Fragen schon seit sie 11 Jahre alt war.

Marc Elsberg findet seine Bücher sehr positiv, so erzählt „Blackout“ davon, wie gut die Welt ist, in der wir leben. Allerdings kann man Erfolg nicht designen. Ein guter Thriller enthält für ihn immer die Frage „wie würdest Du Dich entscheiden?“, das macht das Genre so interessant. Nach seiner Recherche für Blackout kauft er übrigens anders ein, nämlich Vorräte für 10 Tage, nicht nur für 2 Tage. Die Fakten verpackt er in einen Roman, die Spannung muss aus der Sache selbst entstehen. Es geht dabei um Unterhaltung und mit belletristischen Möglichkeiten an die Menschen heranzukommen.

Karsten Dusse dagegen hat selbst Jura studiert und ist Anwalt. Während des Studiums hat er fürs Fernsehen gearbeitet und dabei die unnötige Schnelligkeit festgestellt, es bleibt von den Beiträgen dort nichts. Heute freut er sich, wenn man jeden Tag in der Buchhandlung seinen eigenen Text sehen kann.

Der Tag endete mit einer großartigen Abendveranstaltung –

Das Duell – eine inszenierte Lesung.

Dabei haben die Schauspieler Ulrich Tukur und Christian Redl zwei Vernehmungen dargestellt, beruhend auf wahren Kriminalfällen aus Kanada und Deutschland. Ein toller Abschluss…

Abendveranstaltung

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und dann ging es mörderisch toller Tag zu Ende…

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„Harz“

Harz verkleinert

Thriller von Ane Riel, aus dem Dänischen von Julia Gschwilm, erschienen im btb Verlag 

Inhalt:

Liv ist mit sechs Jahren bei einem Bootsunfall in der Brandung ertrunken. Das zumindest lässt ihr Vater Jens die Behörden glauben. Jens ist ein krankhafter Sammler, getrieben von einer Angst: seine einzige Tochter zu verlieren. Und so lebt Liv in der Einsamkeit des elterlichen Hofes, versteckt in einem Container zwischen alten Puppen, Grammophonen, ausgestopften und in Harz konservierten Tieren – ein sorgsam von der Außenwelt abgeschirmtes Leben, ein Leben in der Falle. Das Buch erzählt von einer scheinbar verkehrten Welt, in der aus Liebe Obsession wird und aus dem Wunsch nach Sicherheit tödliche Gefahr.

Eigene Meinung:

Dieses Buch macht mich etwas ratlos und beschäftigt mich sehr. Ein Thriller ist es für mich nicht, aber trotzdem hat es auf ganz unheimliche Weise eine Sogwirkung auf mich ausgeübt. Ich konnte es nicht aus der Hand legen und habe es in einem Rutsch durchgelesen. Eine tragische Familiengeschichte, wobei man mit dieser Familie eigentlich nichts zu tun haben möchte. Auf der Rückseite heißt es „Ein dunkles Märchen über Liebe und Obsession“. Das trifft es ziemlich gut. Der Vater handelt aus Liebe zu seiner Tochter und auch die Tochter liebt ihren Vater, wie Kinder das tun. Aber irgendwann lebt die Familie nur noch in ihrer eigenen Welt, auch wenn der Vater für die Tochter immer noch ganz logische Erklärungen findet. Von der Sprache und vom Schreibstil ist es wunderbar zu lesen, einfach und klar geschrieben. Dabei wird die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt, aber auch das bereitet beim Lesen keine Probleme. Insgesamt ein sehr bemerkenswertes Buch, das bei mir lange nachwirken wird.

5 Sterne-p1

„Klugscheißer Deluxe“

Klugscheißer deluxe verkleinert

Roman von Thorsten Steffens, erschienen bei Piper

Inhalt:

Timo ist 29 Jahre alt und hat beruflich noch nicht allzu viel erreicht. Bisher stand ihm vor allem immer seine große Klappe im Weg, denn er ist ein chronischer Klugscheißer. Und so gerät Timo immer wieder mit seinen Mitmenschen aneinander. Nun glaubt er allerdings, erwachsener zu sein und beschließt, ein Studium der Pädagogik zu wagen – denn als Lehrer darf man immerhin von Amts wegen ein wenig klugscheißen. An der Uni trifft er auf anstrengende Lehrkräfte, außergewöhnliche Mitstudierende und auf die bildhübsche Sophie.

Eigene Meinung:

Auch dieser Teil des liebenswerten Klugscheißers macht wieder Freude. Unterhaltsam, flott zu lesen und so einige lustige Wortschöpfungen machen Spaß. Auch die Personen, mit denen Timo es hier zu tun bekommt, sind liebevoll und sehr bildlich dargestellt. Neben dem Studium unterrichtet Timo auch schon. Wie er hier mit seinem Schülern umgeht, gibt dem Buch etwas Tiefe. Insgesamt ein schöner Lesespaß, gerade auch, wenn man Wortwitz mag.

5 Sterne-p1

„Das kleine Haus in den Dünen“

das kleine Haus in den Dünen verkleinert

Roman von Julia Rogasch, erschienen bei Forever by Ullstein

Inhalt:

Clara ist mit ihrer Kraft so gut wie am Ende. Seit bei ihrem gemeinsamen Sohn eine schwere Atemwegserkrankung festgestellt wurde, stehen sie und ihr Mann Paul unter Druck. Finanziell ist es eng, da Clara weniger arbeitet, um ganz für ihren Sohn da zu sein. Sie und Paul streiten viel. Da tritt von einem Tag auf den anderen ihr alter Jugendfreund, ihre erste große Liebe Max wieder in ihr Leben. Max, der sein Leben lang nichts anbrennen ließ, erfolgreich im Job ist und der damals nach einer gemeinsamen Nacht mit Clara den Kontakt zu ihr abbrach. Er bietet der erschöpften Familie völlig überraschend sein Ferienhaus auf Sylt an, um dort wieder zu Kräften zu kommen. Clara nimmt widerwillig an, um der Gesundheit ihres Sohnes Willen. Doch kaum auf Sylt angekommen, bemerkt sie, dass ihre Gefühle für Max immer noch stark sind. Aber ist es mehr als Freundschaft? Und sie ahnt: Max Sinneswandel und Großzügigkeit müssen einen Grund haben.

Eigene Meinung:

Dieser Roman hat mir sehr gut gefallen. Er ist sehr entspannt zu lesen und dabei immer abwechselnd aus den Perspektiven von den Hauptfiguren Max und Clara geschrieben. Dazu spielt er sehr authentisch auf  Sylt und man spürt die frische Nordseeluft schon fast beim Lesen. Was mir aber gut gefallen hat, ist, dass es keine reine Liebesgeschichte ist. Als Leserin erfährt man schon sehr früh, warum Max sich so verändert hat und was ihn beschäftigt. Clara ist zu diesem Zeitpunkt immer noch auf Vermutungen angewiesen. Und die Dinge, die Max so beschäftigen, geben der Geschichte eine große Tiefe und das hat mir gut gefallen. Denn es gibt Situationen im Leben, da nützt einem noch so viel Geld nichts. Insgesamt ist diese Tiefe auch eine deutliche Weiterentwicklung zu dem vorherigen Buch und so bin ich gespannt auf weitere Bücher.

5 Sterne-p1

 

„Unbarmherzig“

Unbarmherzig verkleinert

Kriminalroman von Inge Löhnig, erschienen im Ullstein Taschenbuchverlag

Inhalt:

Auf einem Kiesablageplatz nördlich von München werden die sterblichen Überreste von zwei Menschen gefunden, die dort mehrere Jahrzehnte verscharrt gewesen waren. Gina Angelucci, Spezialistin der Münchener Kripo für Cold Cases, ist gerade aus der Elternzeit zurückgekehrt und übernimmt gegen den Widerstand des Oberstaatsanwalts den Fall. Die erste Spur führt in das neu ausgewiesene Gewerbegebiet der Gemeinde. Dort befand sich während des Nationalsozialismus eine Munitionsfabrik. Als die Analyse ergibt, dass das weibliche Opfer aus dem Baltikum stammt, scheinen sich die Zusammenhänge zu klären. Eine Zwangsarbeiterin wurde ermordet und mit ihr ein Mann, der aus der Gegend stammt. Aber nicht alle im Dorf Altbruck sind an einer Lösung des Falls interessiert, denn die Ermittlungen reißen alte Wunden auf.

Eigene Meinung:

Ich habe großen Respekt vor Autoren, die die Ermittlungen zu Cold Cases spannend erzählen können, schließlich liegen die Morde schon lange zurück. Inge Löhnig ist für mich eine Meisterin dieses Faches. Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, die aktuellen Ermittlungen und das Leben der Zwangsarbeiter 1944 in Deutschland, wobei der Hauptteil in der Gegenwart erzählt wird. Aber der Blick zurück macht das Buch zu etwas Besonderem, denn man erfährt sehr viel, unter welchen schwierigen Bedingungen die Menschen hier gelebt und gearbeitet haben. Insgesamt ein sehr lehrreicher Blick zurück. Und trotzdem bleibt die Spannung nicht auf der Strecke, was Täter und Motiv betrifft. Dadurch, dass die Handlung auch eng mit dem Schicksal einer Familie, die noch im Dorf lebt, verbunden ist, fühlt man als Leser auch besonders mit. Auf jeden Fall ein spannendes Buch mit einer wichtigen Lektion deutscher Geschichte, eine klare Leseempfehlung.

Dies ist übrigens der 2. Fall für Ermittlerin Gina Angelucci.

5 Sterne-p1

 

„Der Sprung“

der sprung verkleinert

Roman von Simone Lappert, erschienen im Diogenes Verlag

Inhalt:

Dienstagmorgen in einer mittelgroßen Stadt. Manu, eine junge Frau in Gärtnerkleidung, steht auf dem Dach eines Miethauses. Sie brüllt, tobt, wirft Gegenstände hinunter, vor die Füße der zahlreichen Schaulustigen, der Presse, der Feuerwehr. Die Polizei geht von einem Suizidversuch aus. Einen Tag und eine Nacht lang hält die Stadt den Atem an. Für Finn, den Fahrradkurier, der sich erst vor kurzem in Manu verliebt hat, bleibt die Zeit stehen. Genau wie für ihre Schwester Astrid, die mitten im Wahlkampf steckt. Den Polizisten Felix, der Manu vom Dach holen soll. Die Schneiderin Maren, die nicht mehr in ihre Wohnung zurück kann. Für sie und sechs andere Menschen, deren Lebenslinien sich mit der von Manu kreuzen, ist danach nichts mehr wie zuvor.

Eigene Meinung:

Dieses Buch hat bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen. Dabei ist es zu Anfang nicht so einfach zu lesen. Mit jedem Kapitel wird ein Teil der Geschichte aus Sicht einer anderen Person erzählt. Diese Personen wiederholen sich, aber es dauert etwas, bis man beim Lesen den Zusammenhang hat. Dabei ist der Schreibstil wunderbar, man hat fast das Gefühl, man befindet sich mit Nachbarn mitten in dieser Straße, wo das Mietshaus steht. Und der Blick in die unterschiedlichen Familien ist da wirklich sehr interessant. Was mich nachhaltig Stoff zum Nachdenken gibt, ist das was, was um das Haus herum passiert, wo die Frau auf dem Dach steht. Das wird für die Passanten zum Event, man bleibt stehen, bis endlich was passiert, holt sich Essen und Trinken und macht möglichst noch ein Selfie. Ich fürchte, dass das keine Fiktion ist, sondern leider schon Realität. Ein erschreckendes Bild unserer Gesellschaft. Insgesamt ist das Buch ein großartig geschriebener Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

5 Sterne-p1