„Ein Hummerleben“ – Lesung mit Erik Fosnes Hansen in Hamburg

Lesung Erik Hansen 1
Erik Fosnes Hansen und Moderator Hinrich Schmidt-Henkel

Im Rahmen des Harbourfront Literaturfestivals gab es in der St. Katharinen Kirche in Hamburg eine Premierenlesung, der norwegische Schriftsteller Erik Fosnes Hansen hat sein Buch „Ein Hummerleben“ vorgestellt.

Das Buch erzählt den Niedergang eines einstmals mondänen Hotels in den norwegischen Bergen. Der Roman wird aus der Sicht des 13-jährigen Sedd in den 1980er-Jahren erzählt, der in einem norwegischen Berghotel bei seinen Großeltern aufwächst. Das Hotel liegt hoch oben im norwegischen Fjell. Über seinen Vater weiß er nicht viel, die Mutter ist verschollen. Liebevoll, aber bestimmt wird er von den Großeltern – der Großvater ist nebenbei Tierpräparator, die Großmutter stammt aus Wien – auf seine Rolle als zukünftiger Hotelerbe vorbereitet. Er hilft als Laufbursche, Küchenjunge und Tourenbetreuer aus und verinnerlicht den Leitsatz „Jeder einzelne Gast zählt“ bereits im zarten Kindesalter. Zufluchtsort ist für ihn die Großküche des Hotels, in der der ehemalige Seefahrer Jim schaltet und waltet und für Sedd Vater, Mutter und Freund zugleich ist, wenn die Großeltern keine Zeit für ihn haben. Doch spätestens, als der Bankdirektor Berg bei einem Essen im Hotel stirbt, zeigen sich erste Risse in der vermeintlichen Idylle.

Die Lesung war schon eine gute Einstimmung auf die Frankfurter Buchmesse, bei der Norwegen dieses Jahr Gastland ist. Der Autor spricht sehr gut Deutsch, so dass keinerlei Übersetzung nötig war und man als Zuhörer einem sehr humorvollen, aufgeschlossenen Autor unmittelbar folgen konnte, was großen Spaß gemacht hat.

Das Buch beschreibt er als Drama und Komödie. Die Idee dazu kam ihm in Spanien, wo er mit seiner Frau regelmäßig überwintert. Dort haben die beiden Familien gesehen, die aufgrund der Finanzkrise alles verloren haben und auf der Straße standen. Dabei haben diese Menschen nichts falsch gemacht und standen trotzdem auf der Straße. Die Norweger kannten die Finanzkrise bis dahin nur aus der Zeitung. Der Gedanke, dass Menschen eigentlich nichts falsch machen und trotzdem plötzlich vor dem Aus stehen, hat ihn nicht losgelassen und so hat er diesen Gedanken auf die norwegischen Berghotels übertragen. In Norwegen wurden viele große Hotels gebaut und dann fingen die Norweger an, ihre Ferien plötzlich im warmen Süden zu verbringen mit dem Ergebnis, dass viele Hotels halb leer standen. 1982 gab es dann die Krise der norwegischen Berghotels. Und auch hier haben die Direktorenfamilien eigentlich keine Fehler gemacht, aber die Entwicklung war eine andere und sie standen plötzlich vor dem Aus.

Die Geschichte wird aus Sicht eines 14-jährigen Jungen in den 1980er Jahren erzählt. Der Junge versteht nichts aufgrund seiner fehlenden Erfahrung und kommt daher etwas altklug daher, der Leser soll verstehen und eine Vision haben. Diese Sichtweise war eine große Herausforderung für Hansen, die ihm aber auch sehr viel Spaß gemacht hat. Um das so hinzubekommen, hat er den Text  diktiert und ihn dann von seiner Frau oder einer Assistentin schreiben lassen. Anders hätte er die Sichtweise eines 14-jährigen Jungen so nicht hinbekommen.

Insgesamt ein sehr interessanter, humorvoller Abend, der große Lust auf das Buch gemacht hat.

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„Ein Hummerleben“ von Erik Fosnes Hansen, aus dem Norwegischen von Hinrich Schmidt-Henkel, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch 

 

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