„Der Brand“

Der Brand verkleinert

Roman von Daniela Krien, erschienen bei Diogenes

Inhalt:

Rahel und Peter sind seit fast 30 Jahren verheiratet. Sie sind angekommen in ihrem Leben, sie schätzen und achten einander, haben zwei Kinder großgezogen. Erst leise und unbemerkt, dann mit einem großen Knall hat sich die Liebe aus ihrer Ehe verabschiedet. Ein Sommerurlaub soll bergen, was noch zwischen ihnen geblieben ist, und die Frage beantworten, wie und mit wem sie das Leben nach der Mitte verbringen wollen.

Eigene Meinung:

„Der Brand“ ist hier nur der Auslöser, das ein geplanter Urlaub anders verläuft als geplant. Nachdem der vorgesehene Ferienhaus abgebrannt ist, verbringen die beiden Hauptfiguren den Urlaub auf einem Hof in der Uckermark. In dieser Ruhe, fernab von den Ablenkungen des Alltags, wird deutlich, was 30 Jahre Ehe mit den Rahel und Peter gemacht haben. Mir hat dabei der Erzählstil der Autorin sehr gut gefallen. Ruhig, klar, schnörkellos und modern sind die Begriffe, die mir einfallen. Neben den „Szenen einer Ehe“ kommen in dem Buch noch einige aktuelle Themen vor, was das Buch zu einem modernen Roman macht, gut beobachtet und sehr angenehm zu lesen. Und dazu dann noch die wichtigen Fragen „war das alles“ und „was will ich wirklich“? Ein modernes Lesevergnügen mit Anspruch.

4 Sterne-p1

„Der Dünensommer“

Der Dünensommer verkleinert

Roman von Sylvia Lott, erschienen bei Blanvalet

Klappentext:

Norderney, 1959: Ullas Leben scheint sorglos. Sie ist jung, gut aussehend, mit einem wohlhabenden Verleger verheiratet und sie verbringt den Sommer im schicken Nordseeheilbad. Doch nach drei Jahren ist das Paar noch immer kinderlos. Die Seeluft soll Ullas Gesundheit stärken. Fernab vom stickigen Hamburg genießt sie das ungewöhnlich heiße Wetter – man spricht von einem Jahrhundertsommer, und alle spielen ein bisschen verrückt. Ulla lernt den jungen Fotografen Hans kennen, der so anders ist als ihr Gatte. Bald entstehen zarte Gefühle…
2018: Beim Filmfest auf Norderney begegnet Ullas Enkelin Kim dem attraktiven Julian, Sohn des einstigen Inselfotografen Hans, der später als Kameramann erfolgreich wurde. Kim und Julian finden heraus, dass ihre Familien eine gemeinsame Geschichte haben…

Eigene Meinung:

Auch dieses Buch von Sylvia Lott spielt wieder auf zwei Zeitebenen, die geschickt miteinander verbunden sind. Trotzdem ist das Buch sehr gut zu lesen, denn die historischen Kapitel sind entsprechend gekennzeichnet. Auch mit dem flüssigen Schreibstil und den liebevoll dargestellten Personen gibt es wieder vollen Lesespaß. Und so liefert das Buch wieder beste Unterhaltung vor der großartigen Kulisse Norderneys. Während der Lektüre möchte man immer am liebsten sofort auf Reisen gehen… Ziel Norderney.

4 Sterne-p1

„Hard Land“

Hard Land verkleinert

Roman von Benedict Wells, erschienen im Diogenes Verlag

Inhalt:

Missouri, 1985: Um vor den Problemen zu Hause zu fliehen, nimmt der fünfzehnjährige Sam einen Ferienjob in einem alten Kino an. Und einen magischen Sommer lang ist alles auf den Kopf gestellt: er findet freunde, verliebt sich und entdeckt die Geheimnisse seiner Heimatstadt. Zum ersten Mal ist er kein unsichtbarer Außenseiter mehr. Bis etwas passiert, das ihn zwingt, erwachsen zu werden. Die Geschichte eines Sommers, den man nie mehr vergisst.

Eigene Meinung:

Benedict Wells ist für seinen wunderbaren Schreibstil bekannt und so kann man sich auch in diesem Buch daran erfreuen. Dazu die Geschichte über den Sommer einer Jugend, die mich nach den ersten hundert Seiten dann auch richtig gepackt hat. Sam ist mitten in der Pubertät, wächst noch dazu in einer Kleinstadt auf. Die Probleme konnte ich gut nachvollziehen, vielleicht auch deshalb, weil ich kurz vor der Zeit aufgewachsen bin, in der das Buch spielt. Dazu die Musik und die Filme aus dieser Zeit, die in dem Buch vorkommen und wozu es am Ende des Buches sogar einen passende Soundtrack Liste gibt. Insgesamt ein großes Lesevergnügen.

5 Sterne-p1

„Pension Herzschmerz“

Pension Herzschmerz

Roman von Christin-Marie Below, erschienen bei Ullstein Buchverlage GmbH

Klappentext:

Das Leben ist kurz, der Alltag grau. Vor allem wenn man Liebeskummer hat. Louise muss raus. Zusammen mit ihrer besten Freundin Anna bricht sie auf nach Norderney zu ihrer Freundin Kim, die sich gerade den Fuß gebrochen hat und Hilfe braucht. Gleich am ersten Abend auf der Insel hat Louise bei viel Sekt und Pralinen einen Geistesblitz: Wäre das nicht die perfekte Geschäftsidee – eine Pension für alle mit gebrochenem Herzen? Schließlich hatte jeder schon mal Herzschmerz. Sogar der attraktive Bürgermeister, den Louise für das Projekt gewinnen muss. Doch das ist gar nicht so einfach…

Eigene Meinung:

Das Buch ist ein schöner Roman, der sich mit der Kraft der Freundschaft befasst. Dabei spielt diese angenehm leicht zu lesende Geschichte vor schöner Kulisse auf der Nordseeinsel Norderney. Auch die Personen sind alle gut und warmherzig beschrieben. Was mich ein wenig enttäuscht hat, ist, dass es bei der Handlung nur wenig Fortschritt gibt. Die Mädels haben die Idee und beschäftigen sich dann bis zur Entscheidung durch die Eigentümerin der Pension damit, Fürsprecher zu suchen. Da hätte ich mir etwas mehr Handlung gewünscht. Aber vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung, die dann die nächsten Themen aufnimmt.

3 Sterne-p1

 

„Aus der Mitte des Sees“

Aus der Mitte des Sees

Roman von Moritz Heger, erschienen bei Diogenes

Klappentext:

Eine Benediktinerabtei, idyllisch an einem See legen. Ihr Gastflügel ist gut besucht, doch die meisten Mönche nähern sich dem biblischen Alter. Gerade hat einer der jungen Mönche das Kloster verlassen und eine Familie gegründet. Seither stellt auch Lukas, Ende dreißig, seinen Lebensweg in Frage. Da taucht Sarah auf, aufmerksam, zugewandt und körperlich. Die Mitbrüder drängen Lukas, die Leitung des Klosters zu übernehmen, doch auch das Leben lockt. Um zu einer Entscheidung zu finden, überlässt sich Lukas dem See: Beim Schwimmen öffnen sich Körper und Geist.

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist ein ganz besonderes Buch. Mit leisen Tönen und trotzdem sehr vielen klugen Gedanken, dazu ein Schreibstil, der für mich feinsinnig ist. Man muss sich auf die ruhigen Töne einlassen und es ist ganz bestimmt kein Buch für jeden Leser und zu jeder Zeit. Wer aber eine ruhige Lektüre sucht mit einigen Denkanstößen, der ist hier genau richtig. Man begleitet den Mönch vierzehn Tage lang mit seinen Gedanken über das Kloster, das Leben und Sterben an sich und die Frage nach seiner Zukunft. Da gibt es nicht unbedingt viel Handlung, aber viele interessante Gedanken. Wenn man sich auf dieses Buch einlassen kann, ist es ein Buch, dass nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

4 Sterne-p1

„Das kleine Friesencafé“

Das kleine Friesencafe verkleinert

Roman von Janne Mommsen, erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

Klappentext:

Julia braucht eine Auszeit vom Leben. Auf Rat ihrer Oma reist sie nach Föhr, um den Spuren ihrer früh verstorbenen Mutter zu folgen, die einst eine glückliche Zeit auf der Insel verbrachte. Bei einem Spaziergang stößt Julia auf ein leerstehendes Kapitänshaus: der perfekte Ort, um ihrer Leidenschaft, der Malerei, nachzugehen. Spontan beginnt sie, Porträts von Touristen und Insulanern anzufertigen. Als sich immer mehr Leute dort malen lassen, schenkt sie bald Kaffee aus, backt Friesentorte und bewirtet die Gäste. Es fühlt sich an wie ein eigenes kleines Cafe. Julia scheint ihrem Traum vom Glück ganz nahe, da stellen sich ihr zwei Männer in den Weg: ihr kauziger Vermieter Kapitän Hark Paulsen und der gutaussehende Bürgermeister Finn-Ole. Wie gut, dass Hilfe von Oma Anita naht…

Eigene Meinung:

Dieses Buch fühlt sich so gut an wie eine wohlig warme Decke. Wunderbare Beschreibungen von der Nordseeinsel Föhr, dass man beim Lesen förmlich den Seewind spürt, dazu gibt es Hauptfiguren, die so liebevoll und warmherzig vorgestellt werden, dass man als Leser gleich mitfühlt und mitten drin ist. Und ich glaube, viele haben den Traum von einem Cafe auf einer Nordseeinsel. Der notwendige Mut zu Veränderungen ist es dann auch, der dem Buch eine gewisse Tiefe gibt. Das alles liest sich wunderbar und es macht einfach Spaß, diese Lese-Stunden auf der Insel zu verbringen. Das Buch ist der Auftakt zu einer neuen Friesencafe-Reihe und ich freue mich auf die Fortsetzung. Bis dahin eine klare Leseempfehlung. 

5 Sterne-p1

„Die Bücherfrauen“

Die Bücherfrauen.jpg verkleinert

Roman von Romalyn Tilghman, aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung, erschienen bei S. Fischer

Inhalt:

Mit ihrer Liebe zu Büchern schenken drei mutige Frauen einer zerstörten Kleinstadt neue Hoffnung. In Prairie Hill, einer Kleinstadt irgendwo in Kansas, steht nach einem Tornado nur noch die Fassade der Bibliothek. Angelina kehrt für ihre Doktorarbeit zurück an den magischen Ort ihrer Kindheit. Ihre Liebe zum Lesen erbte sie von ihrer Großmutter Amanda. Frauen wie Amanda, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Kultur in die entlegensten Winkel des Landes brachten, widmet Angelina ihre Studien. In Kansas begegnet sie zwei Frauen, die wie sie an einem Wendepunkt stehen. Gemeinsam entwickeln sie eine Schaffenskraft, die der Kleinstadt neue Hoffnung gibt. Am Ende der Welt finden die drei Frauen einen neuen Lebenssinn und ihr ganz persönliches Glück.

Eigene Meinung:

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut, der Klappentext sagt mir sehr zu. Die Umsetzung lässt mich dann etwas ratlos zurück. Die Grundidee ist wunderbar. Man bekommt einen Einblick, wie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gerade die Frauen dafür gekämpft haben, dass Kultur in die Ortschaften kommt. An diesen Stellen, im Buch sind das Auszüge aus Tagebüchern, ist das Buch richtig stark. Was mir nicht gefallen hat, sind die drei Hauptfiguren in der heutigen Zeit. Die drei Frauen bleiben irgendwie blass in der Geschichte, merkwürdig distanziert. Untereinander, aber auch als Leserin findet man keine Nähe. Eine von ihnen hat durch den Tornado gerade ihr gesamtes Hab und Gut verloren, selbst das bleibt merkwürdig distanziert. Die anderen beiden Frauen suchen einen neuen Platz im Leben, mit ihnen konnte ich gar nicht warm werden. Zusammengefasst ein interessanter Einblick in Kulturgeschichte verpackt in eine Geschichte, die nicht so ganz überzeugen kann.

3 Sterne-p1

„Alte Sorten“

Alte Sorten

Roman von Ewald Arenz, erschienen im Dumont Buchverlag

Inhalt:

In einem Weinberg begegnen sich Sally und Liss. Sally, jung und wütend, ist auf der Flucht vor allem und jedem. Liss, ebenfalls eine Einzelgängerin, bewirtschaftet alleine einen Hof. Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. Bei der gemeinsamen Arbeit auf den herbstlichen Feldern, im Birnengarten und beim Versorgen der Bienen beginnen sie zaghaft, über das zu sprechen, was sie von anderen Menschen trennt. Als Sally ungewollt eine existenzielle Krise auslöst, entdecken sie die stille Kraft der Freundschaft.

Eigene Meinung:

Dieser Roman ist einfach ein wunderbares Buch. Ein Buch der leisen Töne, aber trotzdem unheimlich kraftvoll. Die beiden Frauen begegnen sich, die Unterschiede können größer nicht sein. Das Leben reduziert sich auf die ursprüngliche Arbeit auf dem Bauernhof und man verfolgt gebannt die Annäherung der beiden Frauen. Gerade Sally macht dabei eine spannende Verwandlung durch. Endlich mal nicht bevormundet, kommen ihr ganz neue Einsichten. Dazu dann noch eine überraschende Wendung am Ende, und schon ist das Buch ein perfektes Lesevergnügen. Eine absolute Leseempfehlung.

5 Sterne-p1

„Die verschwindende Hälfte“

Die verschwindende Hälfte verkleinert

Roman von Brit Bennett, aus dem Englischen von Isabel Bogdan und Robin Detje, erschienen im Rohwohlt Verlag

Inhalt:

Mallard, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichen Wesen. Nur in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich. In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Eigene Meinung:

Dieses Buch hat bei mir Eindruck hinterlassen. Ich musste häufiger mal blättern, um zu gucken, in welcher Jahr die Handlung gerade war, weil ich es manchmal gar nicht glauben konnte. Eine dramatische Familiengeschichte über mehrere Generationen, um Ausgrenzung und Rassismus, Heimat und die Suche nach der eigenen Identität. Das wird liebevoll erzählt, spannend auch mitzuerleben, wie sich Zwillingsschwester durch ihre Umgebung so unterschiedlich entwickeln. Insgesamt ein sehr wichtiges Buch, dass zum Nachdenken anregt und deshalb auch bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen hat.

5 Sterne-p1

„Das Haus in der Claremont Street“

Das Haus in der Claremont Street verkleinert

Roman von Wiebke von Carolsfeld, aus dem Englischen von Dorothee Merkel, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Inhalt:

Tom weigert sich zu sprechen, nachdem seine Eltern auf brutale Weise sterben. Seine unfreiwillig kinderlose Tante Sonya nimmt ihn auf, kommt aber nicht an den traumatisierten Jungen heran. Bald ist Tom gezwungen, erneut umzuziehen, diesmal in die Claremont Street in der Innenstadt von Toronto, i der ihm seine liebenswert-chaotische Tante Rose und sein Weltenbummler-Onkel Will ein Zuhause geben. Mit der zeit wird Toms Schweigen zu einer mächtigen Präsenz, die es dieser zerrütteten Familie ermöglicht, einander zum ersten mal wirklich zu hören. Ein Roman , wie mit viel Humor und Liebe selbst aus den schlimmstmöglichen Umständen etwas Positives erwachsen kann.

Eigene Meinung:

Das Buch habe ich sehr gerne gelesen und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Geschichte von Tom ist natürlich schlimm, aber das Buch ist so geschrieben, dass man dabei nicht die Tränen in den Augen hat. Vielmehr ist es spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Familienmitglieder mit dieser für alle schwierigen Situation umgehen. Mit Zusammenhalt und Humor wird einiges möglich, auch muss man mal über den eigenen Schatten springen. Denn auch die Familienmitglieder sind sehr unterschiedlich, was das Zusammenleben nicht immer leicht macht. Dabei ist das Buch auch sehr flüssig zu lesen, ein angenehmer Schreibstil. Einzig zum Ende hin ging es mir dann etwas zu schnell, da hätten es gerne noch einige Seiten mehr sein können. Insgesamt ein überzeugendes Debüt der Autorin.

4 Sterne-p1