„Aus der Mitte des Sees“

Aus der Mitte des Sees

Roman von Moritz Heger, erschienen bei Diogenes

Klappentext:

Eine Benediktinerabtei, idyllisch an einem See legen. Ihr Gastflügel ist gut besucht, doch die meisten Mönche nähern sich dem biblischen Alter. Gerade hat einer der jungen Mönche das Kloster verlassen und eine Familie gegründet. Seither stellt auch Lukas, Ende dreißig, seinen Lebensweg in Frage. Da taucht Sarah auf, aufmerksam, zugewandt und körperlich. Die Mitbrüder drängen Lukas, die Leitung des Klosters zu übernehmen, doch auch das Leben lockt. Um zu einer Entscheidung zu finden, überlässt sich Lukas dem See: Beim Schwimmen öffnen sich Körper und Geist.

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist ein ganz besonderes Buch. Mit leisen Tönen und trotzdem sehr vielen klugen Gedanken, dazu ein Schreibstil, der für mich feinsinnig ist. Man muss sich auf die ruhigen Töne einlassen und es ist ganz bestimmt kein Buch für jeden Leser und zu jeder Zeit. Wer aber eine ruhige Lektüre sucht mit einigen Denkanstößen, der ist hier genau richtig. Man begleitet den Mönch vierzehn Tage lang mit seinen Gedanken über das Kloster, das Leben und Sterben an sich und die Frage nach seiner Zukunft. Da gibt es nicht unbedingt viel Handlung, aber viele interessante Gedanken. Wenn man sich auf dieses Buch einlassen kann, ist es ein Buch, dass nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

4 Sterne-p1

„Das kleine Friesencafé“

Das kleine Friesencafe verkleinert

Roman von Janne Mommsen, erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

Klappentext:

Julia braucht eine Auszeit vom Leben. Auf Rat ihrer Oma reist sie nach Föhr, um den Spuren ihrer früh verstorbenen Mutter zu folgen, die einst eine glückliche Zeit auf der Insel verbrachte. Bei einem Spaziergang stößt Julia auf ein leerstehendes Kapitänshaus: der perfekte Ort, um ihrer Leidenschaft, der Malerei, nachzugehen. Spontan beginnt sie, Porträts von Touristen und Insulanern anzufertigen. Als sich immer mehr Leute dort malen lassen, schenkt sie bald Kaffee aus, backt Friesentorte und bewirtet die Gäste. Es fühlt sich an wie ein eigenes kleines Cafe. Julia scheint ihrem Traum vom Glück ganz nahe, da stellen sich ihr zwei Männer in den Weg: ihr kauziger Vermieter Kapitän Hark Paulsen und der gutaussehende Bürgermeister Finn-Ole. Wie gut, dass Hilfe von Oma Anita naht…

Eigene Meinung:

Dieses Buch fühlt sich so gut an wie eine wohlig warme Decke. Wunderbare Beschreibungen von der Nordseeinsel Föhr, dass man beim Lesen förmlich den Seewind spürt, dazu gibt es Hauptfiguren, die so liebevoll und warmherzig vorgestellt werden, dass man als Leser gleich mitfühlt und mitten drin ist. Und ich glaube, viele haben den Traum von einem Cafe auf einer Nordseeinsel. Der notwendige Mut zu Veränderungen ist es dann auch, der dem Buch eine gewisse Tiefe gibt. Das alles liest sich wunderbar und es macht einfach Spaß, diese Lese-Stunden auf der Insel zu verbringen. Das Buch ist der Auftakt zu einer neuen Friesencafe-Reihe und ich freue mich auf die Fortsetzung. Bis dahin eine klare Leseempfehlung. 

5 Sterne-p1

„Die Bücherfrauen“

Die Bücherfrauen.jpg verkleinert

Roman von Romalyn Tilghman, aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung, erschienen bei S. Fischer

Inhalt:

Mit ihrer Liebe zu Büchern schenken drei mutige Frauen einer zerstörten Kleinstadt neue Hoffnung. In Prairie Hill, einer Kleinstadt irgendwo in Kansas, steht nach einem Tornado nur noch die Fassade der Bibliothek. Angelina kehrt für ihre Doktorarbeit zurück an den magischen Ort ihrer Kindheit. Ihre Liebe zum Lesen erbte sie von ihrer Großmutter Amanda. Frauen wie Amanda, die zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts Kultur in die entlegensten Winkel des Landes brachten, widmet Angelina ihre Studien. In Kansas begegnet sie zwei Frauen, die wie sie an einem Wendepunkt stehen. Gemeinsam entwickeln sie eine Schaffenskraft, die der Kleinstadt neue Hoffnung gibt. Am Ende der Welt finden die drei Frauen einen neuen Lebenssinn und ihr ganz persönliches Glück.

Eigene Meinung:

Was habe ich mich auf dieses Buch gefreut, der Klappentext sagt mir sehr zu. Die Umsetzung lässt mich dann etwas ratlos zurück. Die Grundidee ist wunderbar. Man bekommt einen Einblick, wie Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gerade die Frauen dafür gekämpft haben, dass Kultur in die Ortschaften kommt. An diesen Stellen, im Buch sind das Auszüge aus Tagebüchern, ist das Buch richtig stark. Was mir nicht gefallen hat, sind die drei Hauptfiguren in der heutigen Zeit. Die drei Frauen bleiben irgendwie blass in der Geschichte, merkwürdig distanziert. Untereinander, aber auch als Leserin findet man keine Nähe. Eine von ihnen hat durch den Tornado gerade ihr gesamtes Hab und Gut verloren, selbst das bleibt merkwürdig distanziert. Die anderen beiden Frauen suchen einen neuen Platz im Leben, mit ihnen konnte ich gar nicht warm werden. Zusammengefasst ein interessanter Einblick in Kulturgeschichte verpackt in eine Geschichte, die nicht so ganz überzeugen kann.

3 Sterne-p1

„Alte Sorten“

Alte Sorten

Roman von Ewald Arenz, erschienen im Dumont Buchverlag

Inhalt:

In einem Weinberg begegnen sich Sally und Liss. Sally, jung und wütend, ist auf der Flucht vor allem und jedem. Liss, ebenfalls eine Einzelgängerin, bewirtschaftet alleine einen Hof. Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. Bei der gemeinsamen Arbeit auf den herbstlichen Feldern, im Birnengarten und beim Versorgen der Bienen beginnen sie zaghaft, über das zu sprechen, was sie von anderen Menschen trennt. Als Sally ungewollt eine existenzielle Krise auslöst, entdecken sie die stille Kraft der Freundschaft.

Eigene Meinung:

Dieser Roman ist einfach ein wunderbares Buch. Ein Buch der leisen Töne, aber trotzdem unheimlich kraftvoll. Die beiden Frauen begegnen sich, die Unterschiede können größer nicht sein. Das Leben reduziert sich auf die ursprüngliche Arbeit auf dem Bauernhof und man verfolgt gebannt die Annäherung der beiden Frauen. Gerade Sally macht dabei eine spannende Verwandlung durch. Endlich mal nicht bevormundet, kommen ihr ganz neue Einsichten. Dazu dann noch eine überraschende Wendung am Ende, und schon ist das Buch ein perfektes Lesevergnügen. Eine absolute Leseempfehlung.

5 Sterne-p1

„Die verschwindende Hälfte“

Die verschwindende Hälfte verkleinert

Roman von Brit Bennett, aus dem Englischen von Isabel Bogdan und Robin Detje, erschienen im Rohwohlt Verlag

Inhalt:

Mallard, ein kleiner Ort im ländlichen Louisiana. Seine Bewohner blicken mit Stolz auf eine lange Tradition und Geschichte – und vor allem auf ihre Kinder, die von Generation zu Generation hellhäutiger zu werden scheinen. Hier werden in den 1950ern Stella und Desiree geboren, Zwillingsschwestern von ganz unterschiedlichen Wesen. Nur in einem sind sie sich einig: An diesem Ort sehen sie keine Zukunft für sich. In New Orleans, wohin sie flüchten, trennen sich ihre Wege. Denn Stella tritt unbemerkt durch eine den weißen Amerikanern vorbehaltene Tür und schlägt sie kurzerhand hinter sich zu. Desiree dagegen heiratet den dunkelhäutigsten Mann, den sie finden kann. Und Jahrzehnte müssen vergehen bis zu einem unwahrscheinlichen Wiedersehen.

Eigene Meinung:

Dieses Buch hat bei mir Eindruck hinterlassen. Ich musste häufiger mal blättern, um zu gucken, in welcher Jahr die Handlung gerade war, weil ich es manchmal gar nicht glauben konnte. Eine dramatische Familiengeschichte über mehrere Generationen, um Ausgrenzung und Rassismus, Heimat und die Suche nach der eigenen Identität. Das wird liebevoll erzählt, spannend auch mitzuerleben, wie sich Zwillingsschwester durch ihre Umgebung so unterschiedlich entwickeln. Insgesamt ein sehr wichtiges Buch, dass zum Nachdenken anregt und deshalb auch bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen hat.

5 Sterne-p1

„Das Haus in der Claremont Street“

Das Haus in der Claremont Street verkleinert

Roman von Wiebke von Carolsfeld, aus dem Englischen von Dorothee Merkel, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Inhalt:

Tom weigert sich zu sprechen, nachdem seine Eltern auf brutale Weise sterben. Seine unfreiwillig kinderlose Tante Sonya nimmt ihn auf, kommt aber nicht an den traumatisierten Jungen heran. Bald ist Tom gezwungen, erneut umzuziehen, diesmal in die Claremont Street in der Innenstadt von Toronto, i der ihm seine liebenswert-chaotische Tante Rose und sein Weltenbummler-Onkel Will ein Zuhause geben. Mit der zeit wird Toms Schweigen zu einer mächtigen Präsenz, die es dieser zerrütteten Familie ermöglicht, einander zum ersten mal wirklich zu hören. Ein Roman , wie mit viel Humor und Liebe selbst aus den schlimmstmöglichen Umständen etwas Positives erwachsen kann.

Eigene Meinung:

Das Buch habe ich sehr gerne gelesen und es hat mich nachhaltig beeindruckt. Die Geschichte von Tom ist natürlich schlimm, aber das Buch ist so geschrieben, dass man dabei nicht die Tränen in den Augen hat. Vielmehr ist es spannend zu erleben, wie unterschiedlich die Familienmitglieder mit dieser für alle schwierigen Situation umgehen. Mit Zusammenhalt und Humor wird einiges möglich, auch muss man mal über den eigenen Schatten springen. Denn auch die Familienmitglieder sind sehr unterschiedlich, was das Zusammenleben nicht immer leicht macht. Dabei ist das Buch auch sehr flüssig zu lesen, ein angenehmer Schreibstil. Einzig zum Ende hin ging es mir dann etwas zu schnell, da hätten es gerne noch einige Seiten mehr sein können. Insgesamt ein überzeugendes Debüt der Autorin.

4 Sterne-p1

„Das kleine Hotel auf Island“

Das kleine Hotel auf Island verkleinert

Roman von Julie Caplin, aus dem Englischen von Christiane Steen, erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

Inhalt:

Lucys Leben gleicht einer Sackgasse: kein Job, keine Wohnung und ein verlogener Ex. Deshalb ergreift sie, ohne zu zögern, die Chance, für eine befristete Stelle als Hotelmanagerin nach Island zu ziehen. Doch das idyllische Hygge-Hotel birgt unerwartete Probleme: Schafe im Whirlpool, technische Schwierigkeiten und vermeintliche Fabelwesen, die ihr Unwesen treiben. Und dann ist da auch noch Alex, der schottische Barmann mit den dunklen Augen, der Lucys Herz schneller schlagen lässt. Doch ist Alex, wer er vorgibt zu sein?

Eigene Meinung:

Ein echter Wohlfühlroman, der sich um einen legt, wie eine wärmende Decke. Auch wenn die Handlung etwas vorhersehbar ist, macht es trotzdem Spaß, das Buch zu lesen. Und das liegt vor allem an den wunderbaren Beschreibungen Islands. Die tolle Landschaft und die Gemeinschaft der Menschen dort werden wunderbar eingefangen, einfach dieses hyggelige Lebensgefühl. Dazu ist das Buch locker geschrieben und somit gut zu lesen. Ein zauberhaftes Lesevergnügen, wie es im Buch heißt – stimmt.

4 Sterne-p1

„Rügenträume und Meeresrauschen“

Roman von Evelyn Kühne, erschienen im Zeilenfluss-Verlag

Inhalt:

Die Familienpension muss gerettet werden – das ist den ungleichen Schwestern Hanna und Emma klar. Dabei könnten die beiden Zwillingsschwestern nicht gegensätzlicher sein: Während Emma durch die Weltgeschichte reist und ihr Leben genießt, führt Hanna gemeinsam mit dem Vater eine kleine Pension auf Rügen. Sie hält die Stellung im Gästehaus, obwohl dieses kurz vor dem Aus steht und ihr Vater zudem noch an Alzheimer erkrankt ist. Emma kommt nach Hause und die beiden Schwestern versuchen, die Pension zu retten. Dann verdreht auch noch Sascha, ein neuer Gast aus Hamburg, Hanna den Kopf, aber bald wird ihr klar, dass er ganz andere Interessen verfolgt…

Eigene Meinung:

Ein wunderbarer Roman mit ganz viel Meeresrauschen auf Rügen und doch auch dem notwendigen Tiefgang. Der Roman ist angenehm leicht zu lesen, durch die Aufnahme von ernsten Themen, wie die Erkrankung des Vater oder dem Konflikt zwischen den beiden ungleichen Schwestern, bekommt die Geschichte aber eine Tiefe, die das Buch zu einem rundum gelungenen Lesevergnügen macht. Dazu spielt dann auch noch die Insel Rügen eine schöne Hauptrolle. Man taucht sofort in die Geschichte ein und hat fast das Gefühl, die Familie schon länger zu kennen. Ich könnte mir gut eine Fortsetzung vorstellen und würde mich darüber freuen.

5 Sterne-p1

 

„Das Gerücht“

Das Gerüchtverkleinert

Roman von Lesley Kara, Deutsch von Britta Mümmler, erschienen bei dtv Verlagsgesellschaft

Inhalt:

Die alleinerziehende Joanna zieht mit ihrem kleinen Sohn Alfie von London in eine Kleinstadt am Meer. Zunächst ist es die pure Idylle – bis sie ein Gerücht hört: Die Kindermörderin Sally McGowan, die als Zehnjährige einen fünfjährigen Jungen umbrachte, soll unter anderem Namen in der Stadt leben. Unbeachtet erzählt Joanna anderen Müttern von dem Gerücht. Sie ahnt nicht, was für eine verheerende Spirale von Ereignissen sid damit in Gang setzt – und dass sie sich selbst und ihre Familie in höchste Gefahr bringt.

Eigene Meinung:

Die Grundidee von der Geschichte gefällt mir gut. Der Schreibstil ist flüssig, so dass das Buch auch gut zu lesen ist. Und sicherlich muss man auch berücksichtigen, dass es sich um einen Roman handelt, das Buch soll kein Thriller sein. Aber auch als Roman hat mich das Buch rund 300 Seiten lang ziemlich gelangweilt, um dann auf den letzten 80 Seiten noch zu gefallen, als endlich etwas Tempo in die Geschichte kam. Auch die Auflösung zum Schluß war schlüssig, kam für mich auch ziemlich überraschend. Für mich sind auch die Personen in dem Buch ziemlich blass geblieben, insbesondere Joanna fand ich eher anstrengend, als das ich hätte mit ihr fühlen können. Insgesamt also noch Luft nach oben.

3 Sterne-p1