Welttag des Buches 2018

Eigentlich ist ja jeder Tag für mich ein Tag des Buches. Aber dieses Jahr war der Welttag des Buches am 23.4.2018 für mich besonders spannend. Ich hatte nämlich gesehen, dass es eine Reihe von Verlagen gibt, die um die Zeit herum besondere Veranstaltungen anbieten, um diesen Welttag gebührend zu begehen. Und so hatte ich Glück, und konnte an zwei Verlagsbesuchen in der Nähe von Hamburg teilnehmen:

Am 20.04.2018 ging es nach Reinbek zum Rowohlt Verlag

rowohlt verkleinert

Der kaufmännische Geschäftsführer Peter Kraus vom Cleff und der langjährige Programmleiter und Lektor Dr. Uwe Naumann erwarteten die Gäste. Während Dr. Naumann die Geschichte des Verlages vorstellte, beschäftigte sich der Vortrag von Herrn Kraus vom Cleff mit der Zukunft des Buches. Besonders toll fand ich, dass alle Fragen der Gäste ausführlich beantwortet wurden und wann hat man schon mal die Gelegenheit, Buchprofis zu befragen und insbesondere die spannende Frage, wie ein Verlag aus der Vielzahl der eingereichten Manuskripte die guten herausfindet, mit einem langjährigen Lektor zu besprechen?

Und nach diesem Traditions-Verlag gab es dann am 23.4.2018 mit einem Besuch bei BoD Books on Demand in Norderstedt eine ganz andere Veranstaltung. BoD erstellt Printbücher im digitalen Druck und E-Books und betreut Autoren, die im Selbstverlag Bücher veröffentlichen wollen. Die Auflage beginnt bei einem Stück und inzwischen wird hier auch für große Verlage gedruckt. Durch die Digitalisierung können Titel auf Anforderung jederzeit nachgedruckt werden. Die Autoren können hier jede Form der Unterstützung bekommen, so dass ihre Bücher dann auch im Buchhandel bestellbar sind.  Nach einer Begrüßung durch den Sprecher der Geschäftsführung Dr. Gerd Robertz folgte zunächst eine Präsentation, um das Unternehmen vorzustellen. Anschließend gab es eine Führung durch die laufende Produktion, was sehr spannend und interessant war. Und auch hier stand ein engagiertes Team für alle Fragen zur Verfügung. Insgesamt auch eine tolle, beeindruckende Veranstaltung.

Vielen Dank, dass ich an diesen spannenden Besuchen teilnehmen durfte!

 

 

„Der Pub der guten Hoffnung“

Der Pub der guten Hoffnung
Quelle: Verlag

Roman von Alexandra Zöbeli, erschienen als E-Book bei Forever by Ullstein, ab 8.6.2018 auch als Taschenbuch bei Ullstein

Inhalt:

Felix, der Sohn von Sam und Hannah, hat bei einem Amoklauf zwei Frauen getötet und ist auch selbst ums Leben gekommen. Neben der Trauer um ihren Sohn müssen die Eltern dann auch noch mit Reaktionen von Freunden, Kollegen, Nachbarn und der Presse umgehen. Zunächst zieht Sam alleine nach Wales in das Cottage seines Freundes, doch als sich hier die Möglichkeit ergibt, einen Pub zu übernehmen und ein neues Leben zu beginnen, folgt Hannah ihm. Doch dann holt die Vergangenheit die beiden wieder ein.

Eigene Meinung:

Mit diesem Buch ist es Alexandra Zöbeli, gelungen, ein sehr ernstes Thema auf unterhaltsame Weise zu verpacken und so den Lesern eindringlich näher zu bringen. Man macht sich nur selten Gedanken, was es auch für die Angehörigen bedeutet, wenn ein Familienmitglied schreckliche Taten begeht. Daneben hat dieses Buch noch so viele mehr Geschichten zu erzählen, eine Liebesgeschichte, die Geschichte von zwei Kindern, die ihre Eltern verloren haben und nun bei ihrer Tante aufwachsen, die Geschichte eines alten Mannes, dessen langjährige heimliche Liebe an Alzheimer erkrankt. Diese Geschichten werden miteinander verbunden und herausgekommen ist es ein sehr gut zu lesendes Buch, das man kaum aus der Hand legen mag, denn man möchte wissen, wie es für Sam und Hannah weitergeht. Dazu taucht man auch tief in diese Dorfgemeinschaft in Wales ein und genießt viel britisches Flair.

5 Sterne-p1

„Sylt oder Solo“

Sylt oder solo verkleinert
Quelle: Verlag

Ein Glücksroman von Claudia Thesenfitz, erschienen bei Ullstein

Inhalt:

Nina betreibt mit ihrem Freund Jan auf Sylt eine Surfschule. Die beiden leben in einem Wohnwagen und nachdem Nina eine größere Erbschaft gemacht hat, haben die beiden keine finanziellen Probleme. Als dann aber die Saison auf der Insel zu Ende geht, verlässt Jan Nina und nimmt in Berlin sein Medizinstudium wieder auf. Er hat eine andere Vorstellung von seiner Zukunft während Nina noch unschlüssig ist, wie ihr Leben weitergehen soll. Doch schon bald nimmt Ninas Leben wieder eine große Wende.

Eigene Meinung:

Das Buch ist die Fortsetzung von dem ersten Roman „Sylt oder Selters“ der Autorin. Nachdem mir der erste Roman sehr gut gefallen hat, war ich hier doch ein wenig enttäuscht. Dieser Roman ist zwar genauso gut zu lesen wie der erste und versprüht auch wieder ganz viel Sylt-Feeling, aber die Figur der Nina war mir hier etwas zu flach, es fehlte ein wenig die Tiefe. Wenn jemand nur von geerbtem Geld in den Tag hineinlebt, ist das nichts, was mir so wirklich gefällt, das macht mich als Leserin nicht so glücklich. Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass ein dritter Teil wieder sehr lustig werden könnte. Warum, kann ich hier nicht sagen, ich würde zu viel aus der Handlung verraten…

3 Sterne-p1

„Die kleine Inselbuchhandlung“

Inselbuchhandlung
Quelle: Verlag

Roman von Janne Mommsen, erschienen bei Rowohlt Polaris

Inhalt:

Flugbegleiterin Greta hat ausgerechnet in einem Flugzeug eine Panikattacke und wird krankgeschrieben. Sie flüchtet zu ihrer Tante Hille auf eine Nordseeinsel und hilft der Tante, ihren ehemaligen Laden zu entrümpeln. Dabei finden sich auch ganz viele Bücher, die Greta mit Begeisterung auf einem Flohmarkt verkauft. Greta macht der Bücherverkauf so viel Spaß, dass sie beschließt, auf der Insel eine Buchhandlung zu eröffnen. Doch schon bald passieren merkwürdige Dinge, mit dem Ziel, Greta von der Insel zu vertreiben. Außerdem steht Florian vor der Tür, ihr Kollege und Freund aus Frankfurt. Und so muss Greta dann wichtige Entscheidungen treffen.

Eigene Meinung:

Ich lese die Bücher von Janne Mommsen immer sehr gerne und auch hier wurde ich nicht enttäuscht. Eine starke Prise Nordseeluft kommt wieder aus dem Buch, dazu Hauptfiguren, mit denen man mitleidet und ein ganz tiefer Einblick in das Leben der Insulaner abseits des Trubels mit den Touristen. Dazu ist die Geschichte wunderbar locker geschrieben. Der Aufbau der Buchhandlung geht fast ein bisschen schnell, aber auf der Insel ticken die Uhren wahrscheinlich halt einfach anders. Insgesamt ein großer Lesespaß und 283 Seite Nordseefeeling pur.

5 Sterne-p1

 

„Zernetzt“

zernetzt verkleinert
Quelle: Verlag

Thriller von Anselm Rodenhausen erschienen als E-Book bei Knaur ebooks 

Inhalt:

Philipp war bisher als Berater für „Spannwerk“ tätig, ein soziales Netzwerk eines Berliner Start-Ups. Er nimmt nun eine Auszeit, um in Oxford zu studieren. Aber gerade mit der Uni in Oxford arbeitet Spannwerk in einem neuen Forschungsprojekt zusammen, bei dem Gehirnströme ausgelesen und beeinflusst werden. Philipp wird in das Projekt einbezogen und muss sich bald wundern, dass einige seiner Freunde und Kollege auf höchst merkwürdige Weise ums Leben kommen. Er selbst hat nach den Versuchen mit einem Gedächtnisverlust zu kämpfen. Gemeinsam mit Monia, die er in Oxford kennengelernt hat stellt er Nachforschungen an und die beiden geraten selbst in größte Gefahr.

Eigene Meinung:

Das Buch ist ein Cyber-Thriller, der es in sich hat. Spannend und schnell geschrieben, bereitet der Thriller viel Lesevergnügen, wenn man sich erst mal gedanklich auf diese Welt der künstlichen Intelligenz eingestellt hat. Dabei sind die Hauptpersonen aber so gut beschrieben, dass man schon bald mit ihnen leidet. Insofern geht es nicht nur um Technik, auch die Menschen spielen eine wichtige Rolle. Und bei solchen Büchern stelle ich mir auch immer die Frage, wie viel davon dann in einigen Jahren vielleicht schon Realität ist. Das Buch ist also auch ein spannender Blick in die Zukunft und beste Unterhaltung in der Gegenwart.

4 Sterne-p1

„Die Lichtung“

die lichtung
Quelle: Verlag

Kriminalroman von Linus Geschke, erschienen bei Ullstein

Inhalt:

Der Zeitungsredakteur Jan Römer bekommt den Auftrag, über einen ungelösten Kriminalfall aus dem Jahre 1986 zu schreiben. Eine Gruppe Jugendlicher hat damals ein Wochenende in einer Blockhütte im Bergischen Land verbracht, am Ende sind zwei Jugendliche tot. Jan Römer hat das Wochenende auch nicht vergessen, denn er gehörte zu dieser Clique. Für den Bericht beginnt er gemeinsam mit seiner ehemaligen Kollegin Stefanie „Mütze“ Schneider zu recherchieren. Doch schon bald merken die beiden, dass sie mit ihren Nachforschungen jemandem zu nahe kommen und es wird gefährlich.

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist schon 2014 erschienen, nachdem ich den Autoren Linus Geschke jetzt auf der Buchmesse getroffen habe, habe ich es gleich nochmal gelesen. Das Buch ist der Auftakt der Reihe um Redakteur Jan Römer und Kollegin „Mütze“, mittlerweile ist der dritte Band erschienen. Der Autor bekommt die Verbindung zwischen Vergangenheit, hier 1986, und Gegenwart überzeugend gelöst. Die Geschichte ist spannend abwechselnd in 1986 und der Gegenwart erzählt, und man fiebert die ganze Zeit mit, wer denn nun wirklich der Täter war. Besonderen Charme entwickelt das Buch zusätzlich dadurch, dass viele Musiktitel aus den 80igern erwähnt werden, die die Jugendlichen halt damals so gehört haben. Wenn man selbst in dieser Zeit aufgewachsen ist, macht es also besonderen Spaß, das Buch zu lesen.

5 Sterne-p1

Linus Geschke

 

„Galerie der Angst“

Galerie der Angst verkleinert
Quelle: Verlag

Thriller von Vena Cork, aus dem Englischen von Peter Durin, erschienen bei Droemer Knaur

Inhalt:

Rosas Mann Rob war Künstler und ist verstorben. Nun ist sie alleine mit seinem Werk und muss sich mit seinem Tod zurechtfinden. Da taucht plötzlich Robs Bruder Joshua auf, zu dem bisher kein Kontakt bestand und wird seinem verstorbenen Bruder immer ähnlicher. Rosa verkauft ein Bild ihres verstorbenen Mannes, um Joshua zu unterstützen, und verkehrt dazu wieder in der Londoner Kunstszene. Irgendwie fühlt sie sich dabei häufig verfolgt und plötzlich findet sie sich in einem dunklen Kellerverlies unter einer Galerie in der Stadt wieder.

Eigene Meinung:

Die Geschichte spielt in der Londoner Kunstszene, eine Szene, die einem nicht so geläufig ist. Das liest sich ganz interessant, wie man da so miteinander umgeht und wie auch die Galeristen arbeiten. Zwischendurch hat man auch mal das Gefühl, es könnte gleich etwas richtig Spannendes passieren, insbesondere die Absichten des Bruders kann man lange nicht richtig greifen. Aber das war es dann 300 Seiten lang auch schon. Von einem Thriller erwarte ich mehr Spannung und Nervenkitzel. Erst auf den letzten 100 Seiten nimmt die Geschichte etwas Fahrt auf. Für einen Thriller eindeutig zu spät und zu wenig. Was bleibt ist ein kleiner Einblick in die Londoner Kunstszene.

2 Sterne-p1

 

„Pannfisch für den Paten“

Ein Küstenkrimi von Krischan Koch, erschienen bei dtv.

Pannfisch für den Paten verkleinert
Quelle: Verlag

Inhalt:

Eine merkwürdige Familie ist in eine Villa in Fredenbüll eingezogen. Der Mafioso Tony hat dort mit seiner Familie Unterschlupf gesucht. Und das, wo Fredenbüll gerade genug eigene Probleme mit einem Windradpark hat, gegen dessen Bau sich eine engagierte Bürgerinitiative gebildet hat. Als dann auch noch eine Leiche gefunden wird, gibt es reichlich Arbeit für den Dorfpolizisten Thies Detlefsen.

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist wieder ein sehr gut zu lesender Küstenkrimi. Was ihn so besonders macht, ist der Wortwitz, mit dem der Autor die Geschichte erzählt. Und dieser trockene Humor macht sich auch bei den Hauptfiguren bemerkbar, die teilweise als echte norddeutsche Originale daherkommen. Durch die bildhafte Beschreibung kann man sich Ort und Personen sehr lebhaft vorstellen und kommt teilweise aus dem Lachen gar nicht raus. Außerdem sind einem einige Dorfbewohner auf Laufe der letzten Bücher auch schon richtig ans Herz gewachsen. Wer einen Küstenkrimi mit viel norddeutschem Charme lesen möchte, ist hier genau richtig. Bei so viel Wortwitz wird der Krimifall dann fast zur Nebensache.

Es ist schon der 7. Fall von Krischan Koch, der in Fredenbüll spielt. Ich freue mich auf mehr!

5 Sterne-p1

„Haus der Hoffnung“

Quelle: Verlag

Thriller von Sven Morscheck erschienen im Musketier-Verlag

Inhalt:

Hauptkommissar Ingo Steeger ist mit seiner Frau gerade in die kleine Gemeinde Kahlensee gezogen, als dort auf dem Gelände einer ehemaligen Nervenheilanstalt eine verstümmelte Männerleiche gefunden wird. Schnell ist klar, dass es sich um einen Ritualmord handelt. Außerdem gibt es eine weitere Leiche. Die Ermittlungen führen Steeger dann bald  in die Vergangenheit der Nervenheilanstalt.

Eigene Meinung:

Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie. Und auf diesen 197 Seiten passiert wirklich sehr viel, was mit viel Tempo erzählt wird. Der zügige Schreibstil ist gut zu lesen, allerdings fehlt es den Hauptpersonen und auch der Geschichte dadurch irgendwie an Tiefe, für Emotionen ist teilweise nicht viel Zeit. Einen schönen Grusel löst das Buch allerdings schon aus, denn was im Keller der Nervenheilanstalt passiert, wird ziemlich bildlich beschrieben. Für mich war das etwas zu viel Brutalität. Wer aber schnelle, harte Unterhaltung mag, dem dürfte dieser Thriller gut gefallen.

3 Sterne-p1

Großartige Lesung mit Jeffrey Archer

Lesung in den Kammerspielen

Die Buchhandlung Heymann hatte den englischen Bestsellerautoren Jeffrey Archer in die Hamburger Kammerspiele eingeladen. Moderiert wurde die Veranstaltung wieder sehr sachkundig von Margarete von Schwarzkopf, Journalistin beim NDR, der deutsche Text wurde von Schauspieler Heikko Deutschmann gelesen.

Für mich an ganz besonderer Abend, schließlich kommt Jeffrey Archer nur sehr selten zu Lesungen nach Deutschland. Dabei lese ich seine Bücher schon seit 1984 mit Begeisterung. Er kann wunderbar Geschichten erzählen und man merkt seinen Büchern an, dass er als ehemaliger britischer Abgeordneter weiß, wovon er schreibt, wenn er über Menschen in der Welt von Politik, Wirtschaft und Finanzen schreibt.

Anlass für seinen Besuch in Deutschland war jetzt der 7. und letzte Band der Clifton Saga, ein Jahrhundert-Epos über die Lebenswege der Familien Clifton und Barrington. Eigentlich sollte die Saga nur fünf Bände umfassen, weil die Hauptfiguren aber am Ende noch zu jung waren, wurden sieben Bände daraus, so berichtete Archer. Er plane halt nie bis zum Ende, sondern nicht mal drei Seiten im voraus, wenn er seine Bücher schreibt. Als Vorbild nannte der Autor Hans Christian Andersen und Scott Fitzgerald.

Es war eine große Freude, Jeffrey Archer zu erleben. Ich habe lange bei einer Lesung nicht mehr so viel gelacht. Der Autor hatte immer den Schalk im Nacken und war im Gespräch mit Margarete von Schwarzkopf, die wieder sehr kompetent moderierte und dem Autoren alle notwendigen Informationen entlockte, auch so gut aufgelegt, dass es auch der Moderatorin mal die Sprache verschlug, was selten vorkommt, denn die Journalistin ist schon sehr schlagfertig. Insgesamt ein toller Abend.

Das aktuelle Buch:

Winter eines Lebens von Jeffrey Archer
Quelle: Verlag