„Der Sprung“

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Roman von Simone Lappert, erschienen im Diogenes Verlag

Inhalt:

Dienstagmorgen in einer mittelgroßen Stadt. Manu, eine junge Frau in Gärtnerkleidung, steht auf dem Dach eines Miethauses. Sie brüllt, tobt, wirft Gegenstände hinunter, vor die Füße der zahlreichen Schaulustigen, der Presse, der Feuerwehr. Die Polizei geht von einem Suizidversuch aus. Einen Tag und eine Nacht lang hält die Stadt den Atem an. Für Finn, den Fahrradkurier, der sich erst vor kurzem in Manu verliebt hat, bleibt die Zeit stehen. Genau wie für ihre Schwester Astrid, die mitten im Wahlkampf steckt. Den Polizisten Felix, der Manu vom Dach holen soll. Die Schneiderin Maren, die nicht mehr in ihre Wohnung zurück kann. Für sie und sechs andere Menschen, deren Lebenslinien sich mit der von Manu kreuzen, ist danach nichts mehr wie zuvor.

Eigene Meinung:

Dieses Buch hat bei mir nachhaltig Eindruck hinterlassen. Dabei ist es zu Anfang nicht so einfach zu lesen. Mit jedem Kapitel wird ein Teil der Geschichte aus Sicht einer anderen Person erzählt. Diese Personen wiederholen sich, aber es dauert etwas, bis man beim Lesen den Zusammenhang hat. Dabei ist der Schreibstil wunderbar, man hat fast das Gefühl, man befindet sich mit Nachbarn mitten in dieser Straße, wo das Mietshaus steht. Und der Blick in die unterschiedlichen Familien ist da wirklich sehr interessant. Was mich nachhaltig Stoff zum Nachdenken gibt, ist das was, was um das Haus herum passiert, wo die Frau auf dem Dach steht. Das wird für die Passanten zum Event, man bleibt stehen, bis endlich was passiert, holt sich Essen und Trinken und macht möglichst noch ein Selfie. Ich fürchte, dass das keine Fiktion ist, sondern leider schon Realität. Ein erschreckendes Bild unserer Gesellschaft. Insgesamt ist das Buch ein großartig geschriebener Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

5 Sterne-p1

„Der Kastanienmann“

der kastanienmann

Thriller von Soren Sveistrup, aus dem Dänischen von Susanne Dahmann, erschienen im Wilhelm Goldmann Verlag

Inhalt:

Es ist ein stürmischer Tag in Kopenhagen, als die Polizei an einen grauenvollen Tatort gerufen wird. Auf einem Spielplatz liegt die entstellte Leiche einer jungen Frau. Und der Täter hat eine unheimliche Botschaft hinterlassen: Über dem leblosen Körper schwingt eine kleine Puppe aus Kastanien im Wind. Kommissarin Naia Thulin und ihr Partner Mark Hess stehen vor einem Rätsel, denn die Figur trägt den Fingerabdruck eines Mädchens, das ein Jahr zuvor ermordet wurde – die Tochter der Politikerin Rosa Hartung. Und dann taucht ein zweites Kastanienmännchen auf…

Eigene Meinung:

Dieses Buch ist ein echter Thriller aus Dänemark. Dabei ist die Handlung wirklich nichts für schwache Nerven, die Leichenfunde haben es in sich. Und gerade in der zweiten Hälfte des Buches dreht der Autor förmlich auf.  Die Handlung gewinnt an Fahrt, es gibt ganz überraschende Wendungen, da hat mich das Buch gefangen. In der ersten Hälfte waren da für mich einige Längen drin, da hätte ich mir mehr Tempo gewünscht. Das Ermittlerteam arbeitet neu zusammen, mir haben die beiden gut gefallen, da kann ich mir durchaus auch weitere Fälle vorstellen. Insgesamt  guter neuer „Stoff“ für alle Thrillerfans.

4 Sterne-p1

„Früher war mehr Weihnachten“

Früher war mehr Weihnachten verkleinert

Weihnachtsgeschichten von Horst Evers, erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag

Klappentext:

Horst Evers erzählt die schönsten Weihnachtsgeschichten. Er berichtet von traumatischen Erlebnissen mit dem Weihnachtsmann und testet Geschenkideen, von Ich-selbst-ganz-nackig-mit-Schleife bis zur Smartphone-Stirnhalterung. Was nach drei „alkoholfreien Glühwein mit Schuss“ auf der Eisbahn passiert, ist so lehrreich wie das, was uns der Romantik-Autodidakt für unsere Liebsten ans Herz legt. Und es bleibt Zeit für etwas Völkerkunde: Warum haben Eskimos dreißig Wörter für Schnee, aber keins für Schadenfreude? Ein anderer Blick auf Weihnachten – oder, wie Horst Evers es formuliert „Trotzdem fand ich`s als Erfahrung natürlich super“.

Eigene Meinung:

Dieses Büchlein ist eine Sammlung von Weihnachtsgeschichten, die in anderen Erzählbänden des Autors bereits veröffentlicht wurden. Da ich den Stil von Horst Evers sehr mag, hatte ich viel Spaß an dem Buch. Für mich ist er ein feiner Beobachter mit trockenem Humor. Noch dazu sind die Texte sehr gut lesbar und die Geschichten sind „auf den Punkt“ gebracht.  Mit 13 Texten auf 75 Seiten passt dieses Büchlein sehr gut in die häufig etwas hektische Vorweihnachtszeit. Man kann gut einige Seiten lesen und die Lektüre dann auch später fortsetzen.

4 Sterne-p1

„Um fünf unter den Sternen“

Um fünf unter den Sternen

Roman von Holly Hepburn, aus dem Englischen von Cathrin Claußen, erschienen im Penguin Verlag

Inhalt:

Die Schwestern Nessie und Sam könnten unterschiedlicher nicht sein, doch eines haben sie gemeinsam: ein hoch kompliziertes Liebesleben. Als sie von ihrem Vater einen romantischen kleinen Pub auf dem Land erben, kommt die Chance auf einen Neuanfang für beide wie gerufen. Doch der verläuft anders als gedacht, denn das Gebäude ist heruntergekommen und die Dorfbewohner haben ganz eigene Vorstellungen. Aber die beiden Schwestern sind entschlossen, den Pub zu retten und wieder zum Mittelpunkt des Dorfes zu machen. Zum Glück gibt es da auch noch Joss, den charmanten Kellner, und Owen, den benachbarten Schmied.

Eigene Meinung:

Das Buch überrascht die Leserin inhaltlich nicht wirklich. Trotzdem ist es ein wunderbares Lesevergnügen. Es ist flott zu lesen und bietet dabei beste Unterhaltung. Man taucht ein in dieses Dorfleben und wünscht sich am Ende schon fast, dort am Abend im Pub auch sein Bier zu trinken. Die Personen sind  liebevoll beschrieben und man begleitet die beiden Mädels ein Jahr durch Höhen und  Tiefen. Auch wenn die Handlung etwas vorhersehbar war, so hat mir das Buch großen Spaß gemacht. Neben die üblichen Liebeswirrungen kommen auch ernste Themen wie Alkoholsucht vor. Insgesamt ein schönes, rundes Lesevergnügen.

5 Sterne-p1

 

„Lesung mit Isabel Bogdan in Bad Segeberg“

Bogdan verkleinert

Ende November hat Isabel Bogdan in Bad Segeberg aus ihrem aktuellen Buch „Laufen“ gelesen. Wie schon das Buch, so war auch die Lesung sehr beeindruckend.

In dem Buch geht es um eine Frau, deren Partner Selbstmord begangen hat. Das Buch erzählt ein Jahr lang, wie sie ihre Trauer verarbeitet, insbesondere auch, indem sie regelmäßig Laufen geht.  Dabei ist das Buch auch in dem Atemrhythmus  der Hauptfigur geschrieben, eine Tatsache, die mich schon beim Lesen beeindruckt hat.

Isabel Bogdan betonte dann auch gleich, dass das Buch nicht autobiografisch ist. Nur die Lauferfahrungen sind komplett von ihr, denn sie läuft regelmäßig, seit sie 14 Jahre alt ist.  Sie hat für das Buch aber viel mit Leuten gesprochen, die trauern. Fachliche Unterstützung gab es von Angelique Mundt, einer Hamburger Diplom-Psychologin und Krimiautorin, die  darüber berichtet hat, wie sie mit Angehörigen nach einem Suizid spricht. Denn gerade die Angehörigen quälen sich mit der Frage, ob sie den Suizid hätten verhindern können. Außerdem ist es so, dass, wenn mehrere Leute um eine Person trauern, sie dieses sehr unterschiedlich tun. Auch diese Frage ist Thema in dem Buch.

Auf die Frage, warum dieser zweite Roman so sehr unterschiedlich zu dem ersten Roman „Der Pfau“ ist, erklärte Isabel Bogdan, dass sie als Autorin nicht in eine bestimmte Schublade gesteckt werden möchte. So hat sie als Übersetzerin sehr viele Frauenromane übersetzt und wollte jetzt nicht auch in einer Schublade landen. Vorher war „Laufen“ nur eine Kurzgeschichte und nun ist daraus ein essentielle Geschichte geworden.

Das nächste Projekt ist erstmal eine Übersetzung eines Buches von Jane Gardam, einer alten englischen Dame, die schreibt, seit sie 40 ist. Da gab es für die Zuhörer gleich noch eine Leseempfehlung. Für ein nächstes eigenes Projekt gibt es noch keine so richtige Idee, berichtete die sympathische Autorin, die auch immer Angst hat, dass ihr nichts einfällt.

„Der Pfau“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern und „Laufen“ hat mich auch begeistert und sehr beeindruckt. Ich bin gespannt und freue mich auf weitere Projekte dieser sympathischen Autorin.  Die Lesung war auf jeden Fall so toll wie die Bücher.

Und hier geht es zu der Rezension von „Laufen“

Laufen verkleinert

„Laufen“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Schwarze Förde“

Schwarze Förde

Ein Küsten Krimi von Beeke Dierksen, erschienen bei Emons Verlag GmbH

Inhalt:

Auf einem Acker nahe Flensburg werden die Leichen von sechs als vermisst gemeldeten Frauen entdeckt, die dort im Laufe mehrerer Jahre vergraben wurden. Bei ihren Ermittlungen stoßen die Kommissare Hannah Lundgren und Christoph Wengler auf ein grauenerregendes Verlies, in dem die Frauen offenbar gefangen gehalten wurden – doch vom Täter fehlt jede Spur. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn eine siebte Frau wird noch vermisst.

Eigene Meinung:

Ein sehr packender Küstenkrimi, der sich mit einem grausigen Kriminalfall beschäftigt. Kein Fall für zarte Seelen, aber spannend bis zur letzten Seite. Dabei ist hier auch ein neues, interessantes Ermittlerteam bei der Arbeit, das in dem Buch näher vorgestellt wird. Dieser Krimi ist sehr gut und flüssig zu lesen und schon am Ende des ersten Drittels entfaltet die Geschichte eine Sogwirkung auf den Leser, die bis zum Ende nicht mehr nachlässt. Der kompakte Schreibstil hat mich total überzeugt. Dabei wird die Geschichte dann auch schlüssig aufgelöst. Mir hat dieses Ermittlerteam auch sehr gut gefallen, wo eigentlich alle ihre Ecken und Kanten haben, die das Leben so mit sich bringt. Von diesem starken Team würde ich gerne mehr lesen.

5 Sterne-p1

Ergänzung:

Beeke Dierksen ist das Pseudonym der Krimiautorin Angelika Svensson. Unter dem Namen Angelika Svensson ist die sehr lesenswerte Krimireihe um die Kommissarin Sanders erschienen. Beste norddeutsche Regionalkrimis.

„Nachtblau der See“

Nachtblau der See verkleinert

Kriminalroman von Gabriela Kasperski, erschienen im Emons Verlag

Inhalt:

Schnyder und Meier ermitteln wieder. Kurz vor Beginn des Freilicht-Festspiels bei Schloss Greifensee stürzt eine junge Influencerin von der Tribüne in den Tod. Sie hätte in der Shakespeare-Komödie eine Hauptrolle gespielt. War es ein Unfall – oder wurde sie gestoßen? Werner Meier übernimmt den Fall, während Zita Schnyder ihre eigenen Interessen verfolgt und verdeckt ermittelt. Sie stößt auf ein System voller Intrigen, Korruption, Macht und Gewalt, doch die Zeit läuft ihr davon. Denn bald hebt sich der Vorhang…

Eigene Meinung:

Für mich der erste Schnyder und Meier-Fall. Von der Handlung her ist der Fall in sich abgeschlossen, aber einige Vorkenntnisse über die Beziehung der beiden Hauptfiguren wären schon hilfreich gewesen. Die Handlung selbst überzeugt durch ihre Aktualität angesichts der #MeToo-Debatte und bietet auch einen interessanten Blick hinter die Kulissen einen Theaters. Dabei ist das Buch in ruhigen Tönen geschrieben. Durch die vielen Personen und verschiedenen Handlungsebenen ist allerdings aufmerksames Lesen notwendig.

4 Sterne-p1

Lesung mit Manuela Inusa in Reinfeld

Das war ein wunderbarer November-Abend in der Buchhandlung Michaels in Reinfeld. Draußen kalt und dunkel, gab es drinnen ein Gläschen Sekt zur Begrüßung und dann eine wunderbare Lesung mit der Bestsellerautorin Manuela Inusa, die ihren neusten Roman „Wintervanille“ vorstellte. Spielten die Bücher ihrer Valerie Lane Reihe bisher in Oxford und gab es immer die gleichen Hauptpersonen in den Büchern, so spielt die neue Reihe, die mit „Wintervanille“ gestartet ist, nun in Kalifornien. Dabei stehen kalifornische Farmen im Mittelpunkt und es wird in den folgenden Büchern auch immer unterschiedliche Hauptpersonen geben.  insula verkleinert

Die Frage, warum die neuen Bücher in Kalifornien spielen, war auch schnell geklärt, es ist ein persönlicher Sehnsuchtsort der Autorin, die auch schon mehrfach dort war.

Um Vanille geht es im ersten Band, weil der Verlag gerne etwas Winterliches haben wollte. Und auch für die Besucherinnen der Lesung war das ein großes Glück, denn die Buchhändlerinnen hatten gebacken und so gab es köstliche Vanilleplätzchen zu kosten, die in dem Buch eine Rolle spielen und wo das Rezept auch im Buch zu finden ist. Die Lesung machte schon deutlich, dass „Wintervanille“ ein wunderbares Buch für lange Leseabende im Winter ist. Ich freue mich darauf.

Aus diesem Buch wurde gelesen:

Wintervanille

In 2020 wird die Reihe fortgeführt mit

„Orangenträume“ erhältlich ab 21.04.2020 und

„Mandelglück“, erhältlich ab 17.08.2020

Sämtliche Bücher erscheinen bei Blanvalet.

Von der Autorin ist auch schon die Valerie Lane Reihe erschienen. Hier stehen 5 junge Frauen im Mittelpunkt, die alle Läden in der Valerie Lane haben und miteinander befreundet sind.

  1. Der kleine Teeladen zum Glück
  2. Die Chocolaterie der Träume
  3. Der zauberhafte Trödelladen
  4. Das wunderbare Wollparadies
  5. Der fabelhafte Geschenkeladen
  6. Die kleine Straße der großen Herzen

Zu „Der kleine Teeladen zum Glück“ habe ich in 2018 eine Rezension geschrieben:

Der kleine Teeladen zum Glück

Inhalt:

Laurie führt einen eigenen kleinen Teeladen in der Valerie Lane, einer kleinen Straße in Oxford. Regelmäßig trifft sie sich auch mit ihren Freundinnen Keira, Ruby, Susan und Orchid, die ebenfalls kleine Läden in dieser Straße führen. Eigentlich ist Laurie glücklich mit ihrem Leben, nur eine neue  Liebe fehlt noch. Dabei schwärmt sie für Barry, ihren attraktiven Teelieferanten. Aber da müssen die Freundinnen erst noch helfen, damit es überhaupt zu einem Treffen kommt. Außerdem taucht auch ihr Ex-Mann Peter wieder auf und sorgt für Unruhe.

Eigene Meinung:

Dieses Buch bereitet Freude durch die schönen Beschreibungen der Valerie Lane und ihrer Läden, sowie der engagierten Inhaberinnen. Wunderbar leicht zu lesen, bietet es gute Unterhaltung und man wünscht sich beim Lesen irgendwann unwillkürlich, auch in der Valerie Lane einen kleinen Einkaufsbummel starten zu können. Ein richtiges Wohlfühlbuch.

4 Sterne-p1

 

Hamburger Krimifestival auf Kampnagel

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Letzte Woche es wieder soweit: in Hamburg fand in der ehemaligen Maschinenfabrik auf Kampnagel das Hamburger Krimifestival von Dienstag bis Samstag statt. Eine großartige Veranstaltung.  Jeden Abend mehrere Lesungen mit interessanten Autoren und toll organisiert. Dadurch, dass sich alle Gäste im großen Eingangsbereich treffen kommt auch immer echte Festivalstimmung auf. Einziges Problem: man muss sich entscheiden, welche Lesung man besuchen möchte. Ich bin dieses Mal bei den deutschen Krimis geblieben:

Am Donnerstag gab es „Morden im Norden“ 

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Klaus-Peter Wolf, Krischan Koch, Moderator Frank Keil, Anette Hinrichs, Hannes Nygaard 

Die Autoren stellten unter der Moderation von Frank Keil ihre aktuellen Bücher vor:

Klaus-Peter Wolf „Ostfriesennacht“, der 13. Fall für Ann Kathrin Klaasen

Krischan Koch „Mörder mögen keine Matjes“

Anette Hinrichs „Nordlicht- Die Tote am Strand“

Hannes Nygaard „Falscher Kurs“

Hannes Nygaard erzählte dabei, dass er auch gerne mal Liebesromane schreiben würde, wegen der Recherche. Sein neues Buch beschäftigt sich allerdings mit einen Terroanschlag in Büsum, leider ein aktuelles Thema, so der Autor, denn der Terror ist allgegenwärtig.

Der Krimi von Anette Hinrichs spielt im Grenzgebiet Deutschland – Dänemark. Sie liebt Kriminalromane, die über mehrere Länder spielen, und freut sich, dass man als Autor alles machen kann, was man sich in der eigenen Familie nie trauen würde.

Krischan Koch ist schon sehr viel länger als Filmkritiker als als Autor tätig und begeisterte das Publikum wieder mit seiner tollen Lesung, die immer mehr Hörspiel als Lesung ist. Seine Figuren kennt er so gut, die schreiben den Krimi dann quasi alleine.

Klaus-Peter Wolf hat als Gerichtsreporter angefangen und wollte immer schon schreiben. Mit 14 erschienen von ihm die ersten Geschichten in großen Zeitungen und große Schriftsteller haben ihn geformt. Vom Gerichtsreporter war es dann nicht mehr weit zum Krimiautoren.

Am Samstag hatte ich dann Glück, Ingrid Noll, eine der großen deutschen Krimiautorinnen, war noch beim Signieren auf Kampnagel und ich konnte ein Buch von ihr signieren lassen.

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Dann ging es Samstag weiter mit „Harte Thriller made in Germany“

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Tim Erzberg, Sabine Thiesler, Moderatorin Birgit Hasselbusch, Vincent Kliesch

Auch hier wurden die aktuellen Bücher vorgestellt

Tim Erzberg „Geisterfahrt“

Sabine Thiesler „Der Keller“

Vincent Kliesch „Auris“

Die „Geisterfahrt“ von Tim Erzberg spielt auf dem Hamburger Dom. Dabei geht die Handlung auf 400 Seiten nur über einen Zeitraum von 2 Stunden, dafür kann man erleben, wie sich die Personen entwickeln, in der Situation verhalten. Der Kontrast am Millerntor hat den Autoren gereizt: ein reines Volksfest , auf dem man Spaß hat, und auf der anderen Seite der alte Bunker. Tim Erzberg, der ursprünglich Jura studiert hat, ist dabei auch immer neugierig, was die erzählte Geschichte mit seinen Figuren macht.

Sabine Thiesler ist nicht nur Autorin, sondern auch Schauspielerin, Drehbuchautorin und Synchronsprecherin. Sie bezeichnet sich selbst als ängstlichen Menschen, denn sie kann sich immer vorstellen, was schreckliches passieren kann. Vor dem Keller hatte sie schon Angst, nachdem sie als 7-jährige eine Aktenzeichen XY-Folge im Fernsehen gesehen hat. Ihre Bücher spielen immer in der Toskana, die Gegend ist der Autorin sehr vertraut, nachdem sie 20 Jahre in Italien gelebt hat. Ihre Romane schreibt sie in ihrem Büro, wenn es dunkel wird. Dabei schreibt sie in ihren Romanen von A bis Z, was sie möchte, während sie bei Drehbüchern alles eng durchtakten muss, um auf 89 Minuten zu kommen.

Vincent Kliesch ist bisher als Moderator und Comedian tätig gewesen. Eigentlich machen Comedian und Krimiautoren das Gleiche, so Kliesch, denn sie erzählen Geschichten und ziehen die Leute in Geschichten. Die Hauptrolle in dem Buch spielt ein akustischer Profiler, eher eine Besonderheit unter den Ermittlern. Die Idee stammt ursprünglich von Sebastian Fitzek, der daraus ein Hörspiel machen wollte. Ein schlechter Handy-Empfang im Auto war die Grundlage für die Idee.  Die beiden haben dann 3 Jahre an dem Buch gearbeitet, 5 Fassungen sind dabei entstanden.

Nach so vielen interessanten neuen Eindrücken bleibt jetzt nur noch die Vorfreude auf das Hamburger Krimifestival im nächsten Jahr.  Genug Lesestoff haben wir bis dahin…

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„Laufen“

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Roman von Isabel Bogdan, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch

Inhalt:

Eine Frau hat ihren Lebensgefährten verloren, der sich aufgrund von Depressionen das Leben genommen hat. Dieser erschütternde Verlust hat die Ich-Erzählerin aus der Bahn geworfen und sie beginnt mit dem Laufen. Erst schafft sie nur kleinere Strecken, doch nach und nach werden Laufen und Leben wieder selbstverständlicher. Konsequent im inneren Monolog geschrieben, zeigt dieser eindringliche Roman, was es heißt, an Leib und Seele zu gesunden. Es wird im Buch schnell klar, dass es der Frau nicht um ein gesünderes oder gar leichteres Leben geht. Durch ihre Augen und ihre mäandernden Gedanken erfährt der Leser nach und nach, warum das Laufen ein existenzielles Bedürfnis für sie ist. Wie wird man mit einem Verlust fertig? Welche Rolle spielen Freunde und Familie? Welche Rolle spielt die Zeit? Und der Beruf? Schritt für Schritt erobert sich die Erzählerin die Souveränität über ihr Leben zurück.

Eigene Meinung:

Dieser Roman hat mich nachhaltig beeindruckt. Er ist mit großem Einfühlungsvermögen geschrieben und gibt reichlich Stoff zum Nachdenken. Interessant auch, dass die gesamte Geschichte praktisch in Läufen erzählt wird, der Atem-Rhythmus der Ich-Erzählerin gibt den Takt vor. Dabei gibt es keine Überschriften, trotzdem ist das Buch angenehm zu lesen. Man kann auch bei zeitlichen Sprüngen wunderbar folgen. Einfach ein faszinierendes Buch, das auch die unterschiedlichen Facetten der Trauer um einen geliebten Menschen beleuchtet. Und wer selbst schon mal die Erfahrung gemacht hat, wie Bewegung in schwierigen Lebenssituationen helfen kann, der wird nachvollziehen können, wie gut dieses Buch ist. Dabei ist es natürlich keine leichte Kost. Ganz anders als das erste Buch der Autorin „Der Pfau“. In dem aktuellen Buch erfährt man etwas über Depressionen und erlebt auch die Phasen der Trauer nach dem Tod eines geliebten Menschen mit. Aber es macht auch Mut, denn man erlebt auch, wie die Ich-Erzählerin langsam diese schwere Zeit bewältigt. Insgesamt eine klare Leseempfehlung.

5 Sterne-p1

Und ich bin sehr gespannt, auf die Lesung mit Isabel Bogdan, für die ich demnächst eine Karte habe. Die „Geschichte hinter der Geschichte“ ist hier besonders interessant.